Über Gewalt in Beziehungen, Kontrolle und den Mut zu gehen mit Sabine Buiten

Shownotes

STAFFELFINALE

In dieser Folge sprechen wir über folgende Themen:

  • Warum Gewalt oft lange vor körperlicher Gewalt beginnt
  • Warum Betroffene häufig bleiben und nicht „einfach gehen“
  • Finanzielle Abhängigkeit als unsichtbarer Käfig
  • Die Rolle von Scham, Angst und gesellschaftlichem Druck
  • Die Bedeutung von finanzieller Eigenständigkeit
  • Welche Rolle Männer in dieser gesellschaftlichen Verantwortung spielen

📌 Wichtiger Hinweis: Wenn du selbst betroffen bist oder jemanden kennst: Du bist nicht allein.

Hilfsangebote (Österreich):

  • Frauenhelpline: 0800 222 555
  • Gewaltschutzzentrum Wien: 01 5853288
  • Männernotruf: 0800 246 247
  • Polizei (Notfall): 133

Über meine Gästin

Sabine Buiten ist psychosoziale Beraterin und systemische Coachin. In ihrer Arbeit begleitet sie Menschen in belastenden Beziehungssituationen, bei Trennungen, emotionaler Erschöpfung und persönlichen Veränderungsprozessen. Besonders wichtig ist ihr die Aufklärungs- und Bewusstseinsarbeit rund um Gewalt, emotionale Abhängigkeit und finanzielle Eigenständigkeit von Frauen. Mit viel Klarheit, Empathie und Erfahrung unterstützt sie Menschen dabei, wieder Zugang zur eigenen Stärke und Entscheidungsfreiheit zu finden.

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Eine denkwürdige zweite Staffel geht hiermit zu Ende. Wir bedanken uns bei allen HörerInnen und sind ab 16.06. wieder zurück

Transkript anzeigen

00:00:10: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Lange Rede, kurzer Sinn -

00:00:17: Leben, Leute und Liquidität!

00:00:21: Heute geht es um ein Thema über das viel geschwiegen wird – nämlich Gewalt in Beziehungen.

00:00:33: Und ich möchte dich jetzt kurz auf eine Reise mitnehmen.

00:00:37: Stell dir einen Menschen vor den du liebst. Deine Tochter, deine Schwester, deine beste Freundin.

00:00:46: Und stell dir vor dieser Mensch sitzt

00:00:50: abends

00:00:50: auf der Couch.

00:00:52: Neben ihr sitzt ein Mann, der nach außen hin völlig normal wirkt.

00:00:59: Er arbeitet, er lacht mit Freunden, er wirkt freundlich.

00:01:05: Und trotzdem liegt in dieser Wohnung etwas in der Luft. Nämlich die Angst.

00:01:14: Nicht jeden Tag sichtbar, nicht immer laut aber oft genug dass jemand nachts wach liegt.

00:01:25: Viele Menschen glauben immer noch Gewalt sei etwas, das man sofort erkennt. Schreie, blaue Flecken, Polizei.

00:01:36: Und ich sag dir eines, die Wahrheit ist viel stiller.

00:01:41: Gewalt beginnt selten mit einem Schlag.

00:01:45: Sie beginnt mit Kontrolle!

00:01:48: Sie beginnnt mit Sätzen wie... "Mit wem hast du telefoniert?

00:01:53: Du übertreibst wieder. Ohne mich würdest du es ganz sicher nicht schaffen."

00:02:00: Und irgendwann einmal passiert etwas Gefährliches, nicht nach draußen sondern im Kopf da drinnen.

00:02:07: Der Mensch beginnt zu glauben dass das vielleicht normal ist oder dass er selbst schuld ist oder, dass er wirklich keine Wahl hat.

00:02:19: Und genau deshalb sprechen wir heute darüber!

00:02:24: Nicht vorsichtig, auf gar keinen Fall beschönigend sondern ganz ehrlich, denn eines ist wichtig zu verstehen, Gewalt beginnt nicht mit einem Schlag.

00:02:35: Sie beginnt damit, dass jemand langsam seine Freiheit verliert und manchmal beginnt sie auch damit, dass jemand finanziell abhängig wird.

00:02:48: Meine heutige Gästin: Sabine Buiten.

00:02:52: Sie ist psychosoziale Beraterin und systemische Coachin und sie arbeitet genau dort wo das Leben plötzlich kippt.

00:03:03: Wenn Beziehungen zerbrechen, wenn Sicherheit plötzlich wegbricht, wenn jemand erkennt, so kann es einfach nicht weitergehen.

00:03:12: Sabine begleitet Menschen in Momenten, in denen Entscheidungen getroffen werden müssen, die wirklich hoffentlich alles verändern können.

00:03:21: Momente in denen Menschen beginnen zu verstehen, ich muss etwas ändern!

00:03:27: Liebe Sabine, ich freue mich sehr dass du hierher gefunden hast und danke, dass du mir zu diesem Thema deine Zeit schenkst, vielen lieben Dank dass du da bist.

00:03:39: Hallo und danke für die Einladung,

00:03:41: ich freue mich auch sehr weil du weißt das Thema liegt mir sehr am Herzen.

00:03:45: Ich möchte dieses große Tabuthema brechen und in die Gesellschaft bringen.

00:03:53: Gleich meine erste Frage an dich.

00:03:55: Wenn Menschen zum ersten Mal zu dir kommen, haben sie schon meistens einen langen Weg hinter sich und viele versuchen vorher Monate oder auch jahrelang alles alleine zu lösen.

00:04:13: Was ist meistens dieser Moment davor, aus deiner Erfahrung jetzt -

00:04:17: natürlich nicht mit Namen zu nennen, alles ist anonymisiert.

00:04:21: Sondern es ist mir so wichtig hier deine Wahrnehmung unseren Hörerinnen und Hörern zu geben!

00:04:28: Also ich kann's jetzt nicht auf ein Ding festmachen aber du hast recht, sie haben alle miteinander einen langen Leidensweg hinter sich weil wir Frauen doch sehr sozialisiert sind, auszuhalten.

00:04:39: Alles für die Familie zu machen, durchzuhalten, für die Kinder, fürs Haus, für alles nur nicht für sich selbst.

00:04:46: Und eben dieses Bemühen, ich muss mich noch mehr bemühen, mehr Geduld haben

00:04:50: dann wird schon und je nachdem wie hoch diese Schmerzgrenze bei Frauen ist, irgendwann ist dieser Moment erreicht wo sie merken, ich kann einfach so nimmer mehr und es ist unterschiedlich was da passiert.

00:05:06: Manchmal passiert irgendetwas auslösendes und das muss nicht immer Gewalt sein,

00:05:12: aber wo sie merken, ich verliere mich in dieser Beziehung komplett und dann wird eben aufgrund Social Media, ich mache auch sehr viel Bewusstseinsarbeit dazu oder sie sprechen mit einer Freundin wo ihnen irgendwann bewusst wird vielleicht ist es doch nicht meine Schuld sondern vielleicht läuft in meiner Beziehungen irgendwas echt schief.

00:05:29: Kannst du uns bitte verraten, weil viele Menschen denken ja bei Gewalt sofort an körperliche Gewalt und ich habe auch erfahren dürfen,

00:05:38: Gewalt beginnt ja viel früher.

00:05:41: Kannst du uns als Expertin bitte mal Formen von Gewalt beschreiben die in einer Beziehung am häufigsten passieren?

00:05:51: Genau wie du es richtig sagst, Gewalt ist nicht nur körperliche Gewalt, das ist eh schon dann die Alarmstufe rot, wo es einfach keine Diskussion mehr gibt ob ich jetzt gehen soll oder nicht.

00:06:02: Diese psychische Gewalt- oder emotionale Erpressung alles was da rein spielt beginnt dann mit diesen Themen wie du schon kurz angesprochen hast, dieses meine Gefühle in Frage stellen, wenn ich sag "du das verletzt mich" "Geh stell dich nicht so an" ja?

00:06:15: Oder Beleidigungen wie "du bist dick geworden" oder Beurteilung des Aussehens von Frauen, was ja sehr oft passiert,

00:06:24: aber halt nicht auf die schöne Art und Weise, den Job der Frau runterzumachen oder gar nicht, so "du brauchst nicht arbeiten gehen, du kümmerst dich um die Kinder".

00:06:33: Also wo so Entscheidungen über den Kopf der Frauen hinweg getroffen werden

00:06:37: und das passiert tatsächlich immer noch.

00:06:39: Also ich habe Kundinnen zwischen Anfang 20 und Mitte 70.

00:06:43: Es passiert in allen Altersgruppen, es passiert in in allen Schichten, das gibt's auch in anderen Ebenen,

00:06:50: dass Frauen finanziell auch abhängig gemacht werden, bewusst.

00:06:53: Es passiert immer noch, dass Frauen in Grundbücher nicht eingetragen werden, weil der Mann entscheidet das braucht man nicht.

00:07:00: Also ist es so subtil im Alltag, dass die eigenen Gefühle abgesprochen werden und die Bedürfnisse abgesprochen werden und einfach beschlossen wird – wir machen das so

00:07:09: und was du dazu zu sagen hast zählt nicht!

00:07:12: Ich fühl dich so gut, diese Entwertungen.

00:07:17: Es kommt ja ganz, ganz schleichend und bei mir war es selber so.

00:07:24: Ich habe von meinen beruflichen Erfolgen erzählt und immer wieder kam dann – naja das ist ja eh nix!

00:07:31: Ich hab Millionen-Deals abgeschlossen und dann kam wieder: 

00:07:36: Warum hast du nicht das gemacht?

00:07:37: Oder warum hast du nicht das gesagt?

00:07:39: Und also diese Entwertungen und dieses wirklich Kleinhalten und Kleinmachen.

00:07:47: Ja, absolut.

00:07:48: Genau!

00:07:49: Ich kenne es aus eigener Geschichte auch und ich habe viele Kundinnen die in Top-Positionen sind und genau das erleben, was du jetzt erzählst.

00:07:56: Deswegen haben wir ja auch schon festgestellt, dazu kommen wir noch, dass ja Gewalt tatsächlich kein Opferthema ist sondern ein Gesellschaftsthema

00:08:07: und da haben wir gesagt, wird setzen uns zusammen und möchten das noch mehr in die Welt hinaus tragen und enttabuisieren.

00:08:17: Sabine, du arbeitest ja mit vielen Menschen in den verschiedensten, unterschiedlichsten Lebenssituationen zusammen und was

00:08:25: überrascht dich selbst immer, wenn du siehst wen Gewalt tatsächlich betrifft?

00:08:33: Also es überrascht mich manchmal gar nichts mehr und manchmal dann doch immer wieder wie Frauen noch entschuldigen, ja, also das erlebe ich wirklich tagtäglich wo sie trotzdem noch den Partner entschuldigen, es erklären warum solche Dinge passieren. Dann immer so, dass sie sagen "ich will ihn ja nicht zerstören".

00:08:53: Und ich hatte erst am Freitag wieder ein Gespräch mit einer Kundin, wo es halt echt so war, wo ich das Gefühl hatte, es ist körperliche Gewalt auch im Spiel und nach der Frage, erfährst du körperliche Gewalt,

00:09:04: war mal Stille.

00:09:06: Dann kam tatsächlich diese Antwort "ja aber ich habe ihn provoziert".

00:09:10: Und das sind Momente, wo ich mich nach wie vor noch sehr ohnmächtig

00:09:13: fühle.

00:09:14: Und da tut es mir immer weh, wenn von außen über solche Frauen geurteilt wird.

00:09:19: So sie ist ja selber schuld, dass sie bleibt.

00:09:21: Warum geht's ihnen nicht?

00:09:22: Warum sucht sie sich auch so einen aus?

00:09:23: Also ich kenne diese Kommentare auf meine Posts ohne Ende und das macht mich noch mehr wütend.

00:09:29: Weil man kann nicht urteilen über Menschen, wenn man deren Umstände nicht kennt oder deren Abhängigkeit nicht kennt

00:09:35: und man schlittert schneller in so eine Situation als man denkt.

00:09:38: Ja, das ist richtig.

00:09:39: Und ich habe es auch in meiner Solo-Folge schon gesagt, sag niemals nie!

00:09:45: Richtig.

00:09:45: Denn du weißt es nicht

00:09:47: und ja, das kann ich dir nur bestätigen weil ich ja wie ihr wisst, liebe Hörerinnen und Hörer von meiner Solo-Folge... Ich habe Anzeige erstattet und leider die Anzeige zurückgezogen und hier würde ich mir sehr stark auch wünschen in der Polizeiarbeit nicht die Frage gestellt zu bekommen, ob man vielleicht provoziert hat.

00:10:10: Also das kann ich nur aus Erfahrung selbst teilen.

00:10:13: Danke auch dafür dass du das bestätigst diese Wahrnehmung mit deinen Klientinnen oder Patientinnen,

00:10:19: Was ist dir lieber?

00:10:19: Ich sage Klientinnen

00:10:20: und Kundinnen.

00:10:21: Gut,

00:10:21: KlientInnen!

00:10:23: Was glaubst du warum es so lange dauert, dass jemand erkennt... Das was ich erlebe ist nicht normal.

00:10:32: Viele Betroffene hören ja auch von außen diesen Satz, der unheimlich schnell gesagt wird.

00:10:39: Dann geh doch einfach!

00:10:42: Und warum zeigt dieser Satz vor allem eines?

00:10:45: Dass viele Menschen die Realität so einer Beziehung überhaupt nicht greifen

00:10:52: können?!

00:10:54: Dieses "dann geht doch endlich" ist das eine und oft kommt ja von außen

00:10:57: "Jetzt reisst euch zusammen, ihr habt Kinder und Haus",

00:10:59: also da geht man nicht einfach.

00:11:00: Also es gibt ja Einflüsse verschiedenster Art und Weise.

00:11:06: Du kennst das ja selber und ich kenn's auch aus meiner Beziehung noch, wenn du mitten drinnen steckst, du willst dieses Dilemma nicht wahrhaben.

00:11:15: Irgendwie redet es man sich sehr lange schön, weil man es vorgelebt bekommen hat auch.

00:11:21: Ich komme aus einer Familie wo niemand geschieden ist, also da wird ausgesessen und ausgehalten.

00:11:28: Und das war für mich auch irgendwie so lange ein Glaubenssatz.

00:11:32: Ich zerstöre die Familie. Ich darf nicht gehen. Und das ist glaube ich das warum Menschen in so Beziehungen das lange nicht wahrhaben wollen und es um jeden Preis wegschieben wollen oder vertuschen wollen

00:11:45: bzw bei Frauen kommt ja auch noch dazu dieser ganze mental load, diese ganze Beschäftigung weil sie alleine für alles zuständig sind, dass sie gar nicht fünf Minuten Zeit haben, mal nachzudenken.

00:11:56: Wie geht es mir eigentlich hier?

00:11:58: Was brauche ich?

00:11:59: Ich fühle dich so sehr und das was ich so schade finde – und das kann ich auch nur bestätigen – dieses im Kopf drinnen haben,

00:12:06: bei mir war's zumindestens so….

00:12:08: Es ist meine dritte Ehe!

00:12:10: Was werden die Leute

00:12:12: sagen?!

00:12:12: Jetzt ist's schon wieder geschieden.

00:12:14: Und ja also dieses, wohin einen die Gesellschaft überhaupt treibt?

00:12:22: Ja,

00:12:22: also wir sind 2026, es ist aber nach wie vor noch der zweite Satz,

00:12:26: nach den finanziellen Sorgen, die bei mir die Frauen aufbringen, ist das, was wird das Umfeld sagen?

00:12:33: Was wird die Familie sagen?

00:12:34: Was wird die Nachbarin, die Tante Mitzi und was auch immer?

00:12:37: Ja und wenn man sagt, das ist jetzt nicht wichtig wer was sagt,

00:12:41: die leute die dich unterstützen werden dich nicht bewerten und

00:12:44: die die bewerten, die brauchen wir jetzt im Moment nicht und es ist aber wirklich, wirklich ganz schrecklich manchmal.

00:12:50: Da merkt man ein bisschen das Stadt-Land Gefälle, also am Land

00:12:52: ist es nochmal um ein Eck schwieriger, wo sogar die eigenen Mütter den Töchtern in den Rücken fallen und eben sagen "du kannst dich doch jetzt nicht scheiden lassen, ihr habt gemeinsam ein Haus!".

00:13:01: Also diese Wertigkeit, ja, ich habe selber eine Tochter, also egal was, wenn die ein Schloss gemeinsam mit jemandem hätte, wenn es ihr nicht gut geht bitte möchte ich sie dabei unterstützen zu gehen.

00:13:12: Wobei es sowieso irrsinnig mutig ist, wenn du dich überhaupt jemanden anvertraust.

00:13:19: Absolut!

00:13:20: Genau, so weit muss.

00:13:21: Bei mir hat es

00:13:21: niemand gewusst, jahrelang nicht.

00:13:25: Ich möchte gar nicht über mich reden weil das könnt ihr euch in der Solo-Folge davor anhören meine Geschichte

00:13:30: aber also in deiner Arbeit gibt es Momente wo du immer wieder erlebst dieser,

00:13:38: ich kann so nicht weiterleben.

00:13:40: Wie fühlt sich dieser Moment an?

00:13:42: Ist das ein lauter Moment oder eher ein stiller Moment, ist es einen Moment der Wut oder ist es ein Moment der Klarheit?

00:13:50: Wie nimmst du das bei deinen Klientinnen wahr?

00:13:54: Klarheit fehlt ihnen manchmal.

00:13:56: Das ist glaube ich das wenn sie dann bei mir aufpoppen, weil sie ja dann irgendwie Klarheit suchen.

00:14:03: Sie sind sicher bis zum gewissen Grad wütend, aber Wut ist ganz schlecht.

00:14:07: Das ist ja nicht erlaubt und total verpönt, weil wir dürfen ja nicht wütend sein als Frauen.

00:14:12: Natürlich sind sie irgendwie innen drinnen wütend, ohnmächtig, erschöpft.

00:14:16: Also das was sehr groß ist, ist die Erschöpfung und die Müdigkeit von diesen Kämpfen.

00:14:21: Kämpfen um die Familie, kämpfen um die Beziehung, weil darf man nicht vergessen die Frauen haben davor schon wirklich... Alles geleistet.

00:14:29: Die sind im Beziehungsburnout, weil die haben Paartherapien angeleiert, haben romantische Abendessen organisiert und alles versucht und zu Hause sitzt irgendjemand und sagt ich bin super, ich tu nix, ja?

00:14:41: Und irgendwann kommt dieser Moment wo sie merken sie haben alles ausgeschöpft es geht nichts mehr.

00:14:46: Und dann ist das, wo in meinem Raum online oder offline, alles sein darf.

00:14:52: Dürfen sie wütend sein, sie dürfen weinen, sie dürften enttäuscht sein, alles. Und dann darf man mal aussprechen, was man sich nicht aussprechen darf.

00:15:00: Dieses, eigentlich will ich gehen.

00:15:03: Kann nicht Wut, so wars bei mir, unheimliche Kraft auslösen?

00:15:09: Also wie siehst du das als Beraterin?

00:15:13: Kann nicht wut

00:15:14: wirklich

00:15:14: sein,

00:15:15: okay das gibt mir Kraft meine Wut oder?

00:15:19: Aber es ist, Wut erlauben sich viele Frauen nicht.

00:15:23: Weil man nicht wütend sein darf,

00:15:24: weil das natürlich die Gesellschaft

00:15:27: gesagt hat oder die Eltern daheim gesagt haben.

00:15:29: Die Wut ist wichtig!

00:15:31: Mein Überbegriff meiner Kundinnen war immer, das "Frauen denen es reicht" und wenns einer Frau einmal reicht dann ist sie wütend und dann will sie etwas machen.

00:15:39: Ich möchte aber die Frauen rechtzeitig abfangen, dass die Wut nicht so ausläuft, dass es eine Krankheit wird, dass er eine Depression wird, dass es gegen sich selber geht, sondern dass sie wirklich wütend ist und dann mal ausspricht, so mache ich nicht mehr weiter, es reicht mir und ich gehe.

00:15:56: Und dann für dieses Gehen brauchen sie

00:15:58: Klarheit.

00:15:59: Da braucht's halt jemanden wie mich zum Beispiel!

00:16:02: Weil es einfach so viel zu entscheiden gibt.

00:16:03: Es sind so viele... Es gibt auch vieles zu betrauern.

00:16:07: Es ist ja doch irgendwie geht eine Beziehung zu Ende.

00:16:11: Es geht auch finanziell viel zu Ende und da gibt es ja viel zu klären.

00:16:14: Das macht Angst – das lehmt wieder.

00:16:18: Kann ich sehr gut nachvollziehen.

00:16:20: Und ja, ich kann es auch nur bestätigen ohne Begleitung hätte ich es nicht geschafft.

00:16:25: Lass uns bitte mal über die finanzielle Realität reden.

00:16:28: Viele Menschen glauben ja Gewaltbeziehungen würden einfach verlassen werden sobald jemand erkennt was passiert

00:16:35: aber die Realität ist ja viel komplizierter.

00:16:39: Viele menschen bleiben nicht weil sie nicht wollen sondern viele Menschen haben leider nicht die Möglichkeit gehen zu können, weil sie finanziell abhängig sind.

00:16:52: Weil Sie kein eigenes Einkommen haben.

00:16:54: Weil sie Angst haben, wie du gesagt hast, mit Kindern vor dem Nichts zu stehen.

00:16:59: Wie oft erlebst du in deiner Arbeit dass genau diese finanzielle Abhängigkeit der unsichtbare Käfig ist?

00:17:08: Also ich würde sagen zwei Drittel.

00:17:12: Aber es gibt sich auch noch Frauen, die sich es finanziell sehr wohl leisten könnten aber aus anderen Gründen sich nicht trauen anfangs.

00:17:20: Aber das Finanzielle ist ein Riesenthema weil du kannst sagen zwei Drittel der Frauen sind Teilzeit meistens wegen den Kindern und dann ist es halt schon das ist eine finanzielles Risiko

00:17:34: ja dann zu sagen, okay ich muss mir dann eine Wohnung suchen vielleicht weil ich weiß ja nicht.

00:17:38: Meistens kommt dann, ich ziehe sicher nicht aus. Beziehungsweise könnte sie in einem gemeinsamen Haus nicht bleiben.

00:17:44: Wie soll sie ihn auszahlen?

00:17:46: Und drum ist es mir immer so wichtig, gerade in... Also meine erste Phase ist immer das ich die Frauen einmal auflade, Akku aufladen.

00:17:54: Weil in so einen Nebel-Erschöpfungszustand können sie keine Entscheidung treffen,

00:17:58: das geht nicht. Und wenn wir dann ein bisschen aufgeladen sind, geht's darum wirklich einmal mit einer... Die finanzielle Situation einmal wirklich realistisch zu beleuchten.

00:18:09: Manchmal ist es gar nicht so schlimm wie es scheint.

00:18:12: Manchmal müssen wir noch ein bisschen einen Plan haben, um auszuhalten und eine Strategie entwickeln wie wir einmal finanziell einen Polster aufbauen könnten.

00:18:20: Und es ist wichtig, einen Termin mit einer Anwältin zu machen.

00:18:23: Darum sind mir die Kooperationen mit Anwältinnen so wichtig, weil sie bringen dann rechtliche Fakten, die auch wieder Klarheit und sehr oft auch Sicherheit bringen und sagen, naja so schlecht schaut's halt nicht aus, weil mir steht ja das und das und zu und wie oft wir hier gemeinsam erleben, wo es wirklich Tatsachen sind

00:18:41: und sie sagt dann aber mein Mann hat gesagt das ist anders.

00:18:44: Aber glaubst du nicht auch,

00:18:46: es gibt ja noch immer den Passus des böswilligen Verlassens.

00:18:49: Das ist aus meiner Sicht das Recht ist überhaupt dazu

00:18:52: nicht

00:18:53: passend und man muss ja auch sagen, dass nach einer Wegweisung, darf der Täter ja wieder nach 14 Tagen zurück.

00:19:03: Das ist ja das Schlimme und ich stimme dir nur zu, sich hier unbedingt rechtlichen Beistand zu holen

00:19:10: um einmal zu wissen, wie man richtig agiert und damit dieser Boomerang nicht nach hinten losgeht gerade auch was die finanzielle Abhängigkeit anbelangt und ich habe es schon auch erlebt... Ich habe ja vorige Woche schon gesagt, dass ab dem Moment wo ich über Gewalt in meiner Beziehung gesprochen habe, haben sich mir Menschen geöffnet und mir über ihre gewalttätigen Beziehungen erzählt.

00:19:38: Und ich kann das nur bestätigen,

00:19:40: da war auch eine mega erfolgreiche CEO dabei... Es war aber auch ein erfolgreicher Arzt dabei.

00:19:48: Also Gewalt, das passiert ja nicht immer nur von Männer an Frauen,

00:19:52: also es gibt auch Gewalt in die andere Richtung.

00:19:55: Aber in jeder Gesellschaftsschicht findet man es. Nichtsdestotrotz,

00:20:02: auf das möcht ich jetzt schon noch zu sprechen kommen,

00:20:05: selbst wenn man die Möglichkeit hat sich frei zu kaufen, sag ich einmal, ist es ja trotzdem bei mir zumindest so gewesen,

00:20:15: dass mein Ex-Mann immer wieder gesagt hat, und alle werden sich von dir abwenden.

00:20:20: Und du wirst ... Deine Mutter wird keinen Kontakt mit dir haben, denn Sohn hat sowieso schon keinen Kontakt mehr mit dir.

00:20:25: Also ... Du wirst ganz maus alleine dastehen!

00:20:30: Ja?

00:20:30: Und ich muss schon sagen da hat er eine meiner größten Ängste angesprochen... Die Einsamkeit!

00:20:37: Und das hat er wunderbar gespielt und das hat mich auch gelähmt.

00:20:41: Hast du das auch bei deinen Klientinnen Geschichten, dass dieses ganz bewusste - ich sage krankhafte narzisstische Verhalten, einen in eine Situation bringen kann wo man wie gelähmt ist?

00:20:58: Ja natürlich und da darf man nicht vergessen da gibt's ja die Geschichte, man ist ja mit diesem Menschen sehr lang zusammen oft schon gewesen.

00:21:06: Das heißt der hat ja schon Vorarbeit geleistet.

00:21:08: Der hat ja das Selbstbewusstsein und alles was dazugehört ja schon abgebaut.

00:21:14: Und wenn dann irgendwie Gott sei Dank dazu kommt dass sich Frauen trennen, weiß er ganz genau in welche Wunde er rein bohren muss.

00:21:22: Ja?

00:21:22: Und es ist natürlich einerseits zu sagen, ich nehme dir die Kinder weg, ich vernichte dich.

00:21:29: Wenn die Frauen finanziell gut dastehen, dann finden sie Möglichkeiten,

00:21:32: dass sie sagen, ich mache Rufschädigung.

00:21:34: Ich schaue dass deine Familie und alle werden dann schlecht über dich reden oder du wirst niemanden mehr haben

00:21:40: und da erwischen sie grundsätzlich uns als Mensch in unserer Urangst weil wir wollen kein... Wir sind soziale Wesen, wir brauchen ein Umfeld und wollen ein Umfeld und wir Frauen sowieso, Wir Frauen haben das noch mehr.

00:21:53: Wir wollen von allen lieb gehabt werden, wir wollen ja nicht anecken, wir brauchen Harmonie und wenn jemand so in diesem angeschlagenen Zustand noch diese Urthemen erwischt,

00:22:03: ist es auch als Außenstehender nachvollziehbar dass Frauen dann ängstlich werden und sagen, okay dann mache ich lieber nicht oder ich zahle oder ich gebe klein bei oder was auch immer.

00:22:13: Ja kann ich nur bestätigen, kann ich nachvollziehen.

00:22:17: Bitte lass uns noch ein bisschen bei Finanzen bleiben, denn viele Leute, die in meinem Podcast zuhören tragen auch große Verantwortung.

00:22:26: Es sind Väter dabei!

00:22:27: Es sind erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer dabei, Führungskräfte.

00:22:32: Und wenn wir über finanzielle Eigenständigkeit sprechen, denken viele zuerst an Karriere- und Selbstverwirklichungen.

00:22:40: Aber in manchen Situationen bedeutet finanzielle Eigenständigkeit etwas viel Grundsätzlicheres, nämlich

00:22:48: Schutz.

00:22:50: Die Möglichkeit zu gehen und die Möglichkeit, eine Entscheidung zu treffen ohne vorher um Erlaubnis bitten zu müssen.

00:23:00: Und was bedeutet finanzielle Eigenständigkeit aus deiner Erfahrung für Menschen,

00:23:07: die irgendwann wirklich den Mut auch dazu aufzubringen und zu sagen,

00:23:12: ich

00:23:12: gehe.

00:23:13: Diese finanzielle Eigenständigkeit bedeutet ja eben dieses auf Augenhöhe, wie du es richtig gesagt hast.

00:23:20: Es heißt nicht dass ich gehen muss aber ich muss nicht bleiben wenn ich nicht mehr möchte und ich kann mich anders bewegen wenn ich weiß ich bin von dem anderen nicht abhängig, weil wir verlieren sonst die Ebene, wenn einer alles besitzt und alles ermöglicht und der andere oder die andere ist dem ausgeliefert irgendwo.

00:23:42: Es besteht einfach keine Gleichberechtigung und natürlich ist es immer ein Thema, gerade wenn Kinder dazu kommen.

00:23:50: Man muss die Beziehung neu denken, kein Thema

00:23:52: aber wir dürfen auch das Neue beleuchten und sagen, vielleicht gibt's ja trotzdem die Möglichkeit dass beide zurückstecken, dass nicht die Frau komplett absackt und der Mann bleibt in diesen bestehenden Gutverdienerrolle oder, was ich immer propagiere, sprich es davor an, macht einen Ehevertrag. Das ist alles unsexy oder Pensionssplitting, was auch immer dazugehört.

00:24:15: Es ist unromantisch aber es ist wichtig, ja, dass die Frauen ihre Eigenständigkeit behalten und wenn ich einem Beruf nachgehe, ein eigenes Einkommen habe, habe ich ein anderes Standing. Ich hab eine andere Stimme und ich habe eine andere Entscheidungskraft.

00:24:30: Absolut.

00:24:31: Du weißt, was für mich so traurig ist?

00:24:33: Ich habe schon das Gefühl, dass auch in den letzten Jahren gerade bei jungen Damen – das kann ich jetzt nur als Financial Plannerin sagen – die meisten haben ihr Studium abgeschlossen und dann kommt es mir zumindest so vor, passiert wieder dieser Knick zurück ins Biedermeier und das ist überwiegend,

00:24:56: also ich rede da wirklich von mehr als 80 Prozent in meiner Wahrnehmung, wieder zurück an den Herd.

00:25:04: Tut mir leid aber wenn ich das jetzt ganz bewusst sage, wieder in diese finanzielle Abhängigkeit, ja also ich spüre oft nicht diesen Wunsch nach Gleichberechtigung.

00:25:18: Wie empfindest du das als Beraterin, als Expertin?

00:25:22: Als doch, deine Hauptklientinnen sind ja Frauen.

00:25:27: Das ist auch eine Entwicklung die mich ein bisschen traurig macht.

00:25:30: Man hat einerseits diese Frauen die sich komplett aus dem Dating zurückziehen und sagen, ich bleibe alleine.

00:25:37: Und die anderen, diese andere Entwicklung dieser Trad Wifes, was da so total scheinbar auf sie... Ich habe es Gott sei Dank nicht in meiner Bubble war.

00:25:46: Ich höre also immer wieder und man liest ja sehr viel davon.

00:25:48: Und wir haben letztens bei einem anderen Event drüber gesprochen, es ist eine sehr seltsame Entwicklung, dass dieses, wo du sagst eine Generation die eigentlich schon viel weiter sein dürften, könnten, weil wir unsere Generationen davor auch viel dafür gekämpft haben, das geht in eine seltsame Richtung,

00:26:07: da bin ich bei dir und das mit dem Studium, das kann ich bestätigen.

00:26:10: Also es gibt wirklich Belege dafür, dass wir extrem gut ausgebildete junge Frauen haben und die dann trotzdem wieder zurückgeworfen werden in eine Position, wo man sagt das passt nicht.

00:26:25: Freiwillig aber?

00:26:27: Ja freiwillig, ja.

00:26:27: Also irgendwie freiwillig habe ich das Gefühl... Teilweise freiwillig ja, 

00:26:30: aber teilweise ist es natürlich, weil wir noch vom außen, vom System her zu wenig Kinderbetreuungsplätze nach wie vor, Unternehmen, die das absolut nicht unterstützen, dass man Führungskraft als Teilzeit sein kann, dass man Job-Sharing machen kann, eine Geschäftsführung zum Beispiel teilen kann.

00:26:45: Es gäbe so viele Möglichkeiten dass wir es vom System her und von Unternehmen sehr wohl Müttern ermöglichen könnten Karriere mit Kindern zu machen aber das besteht nach wie vor noch zu wenig und bei Männern ist es schon einerseits dieses, na ich kann nicht weil ich bin ja furchtbar wichtig, geht nicht.

00:27:04: Unternehmen machen's Männern auch schwer muss man sagen.

00:27:07: Und natürlich dieses...es ist einfach noch nicht en vogue.

00:27:12: Ja leider.

00:27:13: Und in manchen Ländern, also in Schweden ist es

00:27:17: ja ganz normal oder?

00:27:19: Es gibt tolle Beispiele.

00:27:20: Also Island, diese ganzen nördlichen Länder kann man ... es funktioniert, das kann funktionieren dass beide dreißig Stunden gehen, was auch immer. Darum sag ich wir müssen in neuen Rollen und Dimensionen lernen zu denken um nicht so dieses Copy Paste, so haben es halt Mama und Papa gemacht oder so mache ich's nicht, also machen wir was anderes.

00:27:40: Aber irgendwie so gleichberechtigt Beziehungen sein mögen, in dem Moment wo sie mit Kindern, wenn Kinder kommen kippt oft trotzdem wieder.

00:27:50: Also das ist auch meine Wahrnehmung.

00:27:53: Sabine, ich möchte unbedingt darauf zu sprechen kommen.

00:27:57: Viele Männer die diesen Podcast hören haben auch Töchter.

00:28:01: Wenn ein Vater heute zuhört und sich nur für einen Moment vorstellt, dass seine eigene Tochter eines Tages in einer Beziehung lebt, in der ihr Gewalt widerfährt.

00:28:15: Was würdest du diesem Vater sagen?

00:28:20: Was sollte er heute verstehen – und nicht irgendwann sondern heute schon?

00:28:25: Da werden meine Augen ganz glasig

00:28:28:

00:28:28: Was ich wirklich allen Vätern mitgeben möchte, bitte seid nicht die Männer, die unter meinem Post schreiben,

00:28:36: ich bin nicht so ein Mann!

00:28:38: Weil ihr seid alle solche Männer, wenn ihr nicht schon vorbeugend für Feminismus und für Unterstützung von Frauen eintretet und euch groß und stark macht.

00:28:49: Du kannst deine Tochter nur damit beschützen indem du aktiv Frauenbewegungen unterstützt.

00:28:55: Nur zu sagen ich mache keine dummen Frauenwitze reicht nicht.

00:28:59: Es muss auch sein, dass ich dagegen anstehe wenn jemand eine Frau irgendwo beleidigt, abgesehen davon ob es deine Tochter ist.

00:29:07: Jeden zurechtweise und sag, so spricht man nicht, so machst du das nicht.

00:29:12: Oder bei Witzen sagt, das ist nicht lustig, hört's auf damit. Weil dann mache ich auch direkt und indirekt einen Schutz für meine Tochter.

00:29:20: Absolut und

00:29:21: nicht nur in meiner Bubble und sagen, das is alles nicht jetzt, sondern hier gehts wirklich um aktiv Feminismus zu betreiben.

00:29:29: Vor allem Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen.

00:29:32: Und deswegen, es hat ja vor eine Woche oder zwei Wochen ... Wir nehmen die Podcastfolge heute am siebzehnten März auf, liebe Hörerinnen und Hörern!

00:29:44: Da war ja diese Demonstration wo auch Männer gegen Gewalt Gott sei Dank aufgestanden sind.

00:29:53: Welche Rolle spielen Männer in dieser Diskussion?

00:29:59: als Väter, als Partner, als Freunde, als Führungskräfte.

00:30:06: Was können Männer konkret tun damit Gewalt nicht toleriert wird?

00:30:12: Ja eh das was ich angeführt habe nicht alles belächeln oder runter machen dieses klassische jetzt darf man gar nichts mehr sagen sondern wirklich zu überlegen.

00:30:22: okay vielleicht könnte ich auch ein Teil dieses Problem sein.

00:30:25: auch wenn ich nicht aktiv gegen Frauen vorgehe, wenn dem ich Dinge ignoriere nicht anspreche und mitmache bin auch ein Fehlemsystem.

00:30:35: Und zu erkennen dass sich von diesem System nach wie vor noch profitiere und das Frauen nur stark sein können wenn Männer mithelfen weil Feminismus heißt nicht gleich Männerpashing Das ist ja Blödsinn!

00:30:46: Das muss ich jedes Mal, muss ich mir rechtfertigen und es erklären?

00:30:48: Das is' es nicht.

00:30:50: Ich habe großartige Männer in meinem Umfeld, ich hab doch das Glück wieder verheiratet sein mit einem tollen Mann.

00:30:57: aber Ich sitze auch öfters mit meinem Mann und ergehre ihm noch so ein bisschen die Keywords vom Feminismus, dass er das auch versteht wie das eben ist im Dunkeln nach Hause zu gehen.

00:31:07: Mit Angst!

00:31:07: Weil es einfach eine Normalität bei uns Frauen ist oder trotzdem die Gewalt in den eigenen Verwenden zu erleben.

00:31:16: natürlich gibt's das auch umgekehrt.

00:31:18: Das ist immer ja eh aber man muss immer die Relationen sondern wirklich alle Männer einzuladen zu sagen macht doch mit weil Feminismus oder Gleichberechtigung, da profitiert jeder davon.

00:31:30: Wirklich jeder!

00:31:31: Weil das Patriarchat macht ja auch etwas mit den tollen Gutmännern, die profitieren ja nicht davon.

00:31:38: Viele Menschen glauben ja noch immer, dass Gewalt ein privates Problem ist und dass etwas hinter der verschlossenen Tür passiert.

00:31:48: Warum stimmt das nicht?

00:31:56: Privat ist es bis zu einem gewissen Grad.

00:31:58: Es geht so lange, solange es irgendwie im rechtlichen Bereich ist.

00:32:04: Aber Gewalt geht uns insofern was an, weil da geht's um Zivilcourage.

00:32:08: Da gehts einfach um Menschen zu helfen oder da geht das nicht um dieses.

00:32:11: ich will mir ja nicht einmischen und geht mich nichts an.

00:32:14: Das geht mich sehr wohl etwas an wenn ich vielleicht Tür und Tür mit einem Ehepaar lebe wo ich echt das Gefühl habe der passiert Gewalt in welcher Hinsicht einfach hinzuhören Und natürlich kann er jetzt die Tür da eintreten und sagen, so da bin ich.

00:32:31: Aber einfach versuchen mit dieser Freundesgespräch zu kommen oder irgendwie aufmerksam zu sein.

00:32:39: Ich sage immer dazu auch wenn man merkt dass sich jemand isoliert oder sich anders verhält einfach hinzugehen und immer wieder nachzufragen, wie geht es dir?

00:32:54: Das hilft schon einmal dieses Interesse an dieser anderen Person zu zeigen.

00:32:59: Kannst du das auch bestätigen?

00:33:00: Und mit einem Mal ist das nicht getan weil wir dürfen nicht vergessen, wir reden hier von Scham.

00:33:07: Leider Gottes schämen sich immer die Falschen.

00:33:09: Es schämern sich ja immer die Gewalt erfahren und keine Gewalt ausüben immer so, nein das passt schon.

00:33:17: Das ist eher alles gut und er ist nur überarbeitet weil es irgendwie eine Schutzfunktion ist und weil sich Frauen oder Menschen schämen die in so einer Situation sind.

00:33:27: und darum ist es wichtig hier behutsam voranzugehen und trotzdem ihm wieder dran bleiben.

00:33:33: Und das hat nichts damit zu tun dass man weggestoßen wird sondern Manchmal kann man in dieser Situation die Hilfe nicht annehmen, weil man sich halt so schämt und man müsste es sich eröffnen.

00:33:41: Und dann müsste man ja erzählen dass der eigene Partner gewalttätig ist und dann macht... Dann beschmutzt ich den ja!

00:33:47: Das will man ja nicht, weil wir diese Fassade aufrechterhalten.

00:33:51: Ja?

00:33:51: Kann ich das sehr, sehr gut nachvollziehen?

00:33:54: Vor allem was immer auch meine Sorge war.

00:33:56: Und es ist ja dann tatsächlich auch eingetreten als ich darüber Jahre später gesprochen habe dieses Wie konnte dir das passieren?

00:34:04: und glaube es mir... Ich hab mir das jahrelang diese Frage in jeder freien Minute gestellt wie mir das aussehen könnte.

00:34:15: und mein wunderbarer Sohn sagt doch ganz offen privat war ich unzurechnungsfähig.

00:34:23: Eigentlich hätte ich privat in diesen Jahren Besachwald gehört, jetzt als Privatperson und ich kann das Jahre später so gut nachvollziehen weil ich war nicht ich.

00:34:35: Und diese Scham ist etwas was mich sehr zurückgehalten hat auch in dieser Beziehung noch eine Zeit lang zu verweilen.

00:34:47: Trotz all dieser schwierigen Geschichten, die auch du kennst.

00:34:51: Was gibt deiner Meinung nach Menschen, die Kraft sich aus einer gewalttätigen Beziehung zu lösen?

00:34:58: Ja, die dieses wirklich schaffen wollen... Es kommt halt schon dieser Moment wo man merkt so kann und will ihn immer mehr weitermachen.

00:35:04: Und was bin ich für ein Vorbild für meine Kinder?

00:35:06: Also das ist das, wo ich meine Kundinnen oft dann endgültig erwischt habe weil einerseits kommt diese Einwand, in die ich zerstöre.

00:35:12: Die Familie haben wir keine Familie mehr.

00:35:15: und wenn ihnen aber bewusst wird Das ist keine Familie mehr, was sie da haben.

00:35:19: Und das bin ich als Mutter für ein Vorbild für meinen Sohn oder meine Tochter und trotzdem irgendwo so dieser Wunsch wie den Frieden und in Ruhe zu leben.

00:35:30: Es dauert halt manchmal und es gibt leider Gottes eine Vielzahl von Leuten die das wirklich nicht schaffen, so traurig das ist und das ist auch immer so bitter wenn ich mit bekomme ja es gibt halt einfach Frauen wollen will ich jetzt gar nicht sagen, es geht einfach nicht.

00:35:47: Das ist halt... Ich versuche halt in jeder Hinsicht Bewusstsein zu schaffen mich auch mit anderen Institutionen zu verbinden wo man sagt vielleicht niederschwelligere Angebote bewusst sein zu schaffen.

00:36:03: aber es ist schon irgendwo dieser Moment wo dieses eigene Überleben einfach wichtiger wird wie diese Fassade aufrechtzuerhalten und was glaube ich auch wichtig ist dass das sowie wir beide so Rollmodels gibt, die darüber sprechen dass man es selber erlebt hat.

00:36:21: Dass man es bis zum gewissen Grad kennt natürlich gibts da alle Varianten und das man es schaffen kann.

00:36:27: Hast

00:36:28: du hier einen Tipp an die Gesellschaft?

00:36:33: An das Umfeld wie er sich verhalten kann, dass man sich öffnet dass man zumindest das Vertrauen haben kann,

00:36:44: nicht

00:36:45: alleine da zu sein.

00:36:48: Was mir wichtig immer wäre oder ist es vom Umfeld nicht diese eigenen Bewertungen und die eigenen Gedanken dem anderen umzuhängen?

00:36:57: Sondern net dieses Nabittetsreißzeitsamen wegen der Kinder das so sondern einfach zuzuhören!

00:37:02: Nicht zu bewerten, auch nicht zu verurteilen, sondern einfach zuhören Und einfach nur sagen, egal welche Entscheidung du triffst ich unterstütze dich und ich gehe mit dir diesen Weg.

00:37:14: Oder ich helfe dir bei der Suche nach einer Unterstützung oder nach einer Wohnung oder nach Alternativen aber nicht diese eigenen Ängste was ja oft beim Umfeld mitspielt dieses jetzt denkt an das Haus oder der Gebiete.

00:37:28: der Papa und die Mama und die haben es geschafft also diese Dinge einfach wirklich weg zu tun und zuzuhören und sagen Ich bin bei dir da Egal, was du brauchst.

00:37:40: Ich gehe mit dir diesen Weg.

00:37:41: Wunderbar!

00:37:42: Darf ich dir noch eine abschließende Frage stellen?

00:37:45: Sehr gerne.

00:37:45: Wenn heute jemand zuhört, der vielleicht selbst gerade in so einer Situation ist... Was möchtest Du dieser Person ganz direkt sagen?

00:37:59: Was möchte ich dieser Person sagen?

00:38:01: Nimm Dir bitte jeden Tag zehn Minuten Zeit und spüren dich rein und frag, ob das noch das ist wo du bleiben möchtest.

00:38:09: Und glaub daran dass du das schaffen kannst und dass du auch ein anderes Leben vielleicht verdient hättest.

00:38:17: Sabrina erlaubst du mir, dass ich unser Gespräch zusammenfasse?

00:38:20: Ja bitte

00:38:21: sehr gerne!

00:38:22: Du unterbrichst mich gleich wenn du es anders empfingest.

00:38:24: bitte für mich.

00:38:26: bleibt aus unserem Gespräch wieder mal die Erkenntnis Gewalt hat kein Gesicht.

00:38:33: Sie kann überall passieren.

00:38:35: In jeder Gesellschaftsschicht, in jeder Straße und in jeder Familie.

00:38:41: Und vielleicht ist genau das der Grund warum so viele Menschen wegschauen Weil es einfacher ist zu glauben dass es einen selbst nie betreffen wird.

00:38:52: Aber genau das Wegschauen macht aus meiner Empfindung Gewalt erst möglich.

00:38:59: Deshalb braucht es Menschen die hinschauen Freunde, Freundinnen, Kolleginnen Familienmitglieder.

00:39:08: Und manchmal würde er schon dieser eine Satz ausreichen – Du bist nicht alleine!

00:39:16: Langerere kurze Sinn.

00:39:18: Gewalt beginnt oft im Verborgenen Aber der Ausweg beginnt fast immer mit einem Moment der Klarheit und oft mit einem Menschen, der sagt «Du musst da nicht allein durch».

00:39:33: Ist das für dich

00:39:34: so okay?

00:39:35: Wunderbar!

00:39:36: Ja, dann möchte ich wie immer zum Abschluss lieber Hörerinnen eine Frage an Dich weitergeben.

00:39:49: Wenn jemand in deinem Umfeld stiller geworden ist sich zurückgezogen hat oder plötzlich nicht mehr so wirkt wie früher manchmal beginnt Veränderung mit einer einzigen Frage Geht es dir wirklich gut?

00:40:05: Mich würde wirklich interessieren, wie du über dieses Thema denkst.

00:40:09: Es ist mein Herzensthema aber ich möchte gern wissen, wie DU dazustehst!

00:40:15: Hast Du selbst erlebt das jemand Hilfe gebracht hat oder hast Du vielleicht selbst einmal den Mut gehabt tatsächlich hinzuschauen?

00:40:25: Schreib mir bitte deine Gedanken unter diese Folge beziehungsweise schreibe mich persönlich an Denn ich würde mich wirklich freuen, wenn du deine Perspektive mit mir teilst.

00:40:38: Denn genau solche Gespräche die dieses Tabu aufbrechen sind notwendig in dieser heutigen Zeit!

00:40:48: Vielleicht erreicht auch diese Folge genau diejenigen Menschen der sie gerade hören

00:40:56: muss

00:40:57: und deswegen bitte ich dich um eines Wenn dich diese Folge bewegt hat, dann teile sie.

00:41:04: Und wenn du meinen Podcast noch nicht abonniert hast, dann lade ich dich herzlich dazu ein!

00:41:10: Denn genau darum geht es hier über Themen zu sprechen, über die schon so lange geschwiegen wurde und ich danke dir fürs Zuhören und freue mich, wenn du nächstes Mal wieder dabei bist.

00:41:23: bei Lange Rede kurzer Sinn Leben Leute und Liquidität.

00:41:30: Danke fürs Zuhören!

00:41:32: Wir legen jetzt eine vierwöchige Pause ein und kommen dann wieder mit neuen Folgen, Solo- und mit spannenden Gästinnen und Gästen im Gespräch.

00:41:46: Ich freue mich wenn du wieder dabei bist.

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