Gewalt, Angst und finanzielle Freiheit... Was viele nicht aussprechen

Shownotes

In dieser sehr persönlichen Episode erfährst du:

  • Warum Gewalt kein Randthema, sondern ein gesellschaftliches Thema ist
  • Weshalb der Satz „Mir würde das nie passieren“ trügerisch ist
  • Warum Betroffene oft nicht einfach gehen können
  • Welche Rolle Angst und Abhängigkeit spielen
  • Warum finanzielle Unabhängigkeit in solchen Situationen entscheidend sein kann

📌 Wichtiger Hinweis: Wenn du selbst betroffen bist oder jemanden kennst: Du bist nicht allein.

Hilfsangebote (Österreich):

  • Frauenhelpline: 0800 222 555
  • Gewaltschutzzentrum Wien: 01 5853288
  • Männernotruf: 0800 246 247
  • Polizei (Notfall): 133

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Lange Rede, kurzer Sinn gibt's wöchentlich! Neue Folgen erscheinen jeden Dienstag.

Transkript anzeigen

00:00:10: Hallo und herzlich willkommen bei einer neuen Folge von meinem Podcast

00:00:16: "Lange Rede, kurzer Sinn - Leben Leute und Liquidität".

00:00:21: Mein Name ist Monika Maximilian und ich bin seit 25 Jahren akademische Financial Plannerin, gewerbliche Vermögensberaterin, ungebundene Versicherungsmarklerin und

00:00:32: ich verkaufe Anlagebarren in Gold und Silber.

00:00:36: Mit diesem Podcast habe ich mir einen Herzenswunsch erfüllt, nämlich Geschichten über Leute zu erzählen, die etwas zu sagen haben.

00:00:47: Geschichten die auch etwas mit Geld zu tun haben und deswegen freue ich mich, dass du heute wieder dabei bist.

00:00:54: Gleich vorweg zu dieser Folge: Heute spreche ich über das Thema Gewalt und falls dich das Thema triggert, dann bitte ich dich, dieses Mal nicht zuzuhören bzw.

00:01:09: diese Folge mit jemandem zu hören der dich begleitet.

00:01:15: Kennst du vielleicht die Situation, wenn dir jemand etwas erzählt hat und in dir drinnen schon die Stimme aufgetaucht ist,

00:01:26: "nein, das könnte mir nie passieren!"?

00:01:31: Ich gehörte auch zu diesen Personen, die gesagt haben, mir würde so etwas nie passieren.

00:01:40: Gewalt in einer Beziehung?

00:01:43: Nein!

00:01:44: Sicherlich nicht mir.

00:01:47: Ich war so überzeugt davor gefeit zu sein – nicht weil ich naiv war sondern weil ich tatsächlich glaubte dass ich daraus gelernt habe. Denn ja...ich habe Gewalt schon als Kind erlebt.

00:02:05: Ich habe nicht nur gesehen, wie mein Vater meine Mutter geschlagen hat.

00:02:09: Ich habe tatsächlich miterlebt, wie mein Vater meine Mutter und mich geschlagen hat.

00:02:18: Wie er uns entwertet hat, wie er uns klein gemacht hat. Ich habe erlebt, wie Angst in einem Zuhause wohnt!

00:02:27: Ich habe erlebt was es bedeutet, Angst davor zu haben, dass die Tür in der Nacht aufgeht und das schon wieder irgendetwas ihm aufgestoßen ist, dass er mich schlägt.

00:02:40: Ich war 14 Jahre alt als sich meine Eltern scheiden ließen. Und damals habe ich mir einen inneren Schwur gegeben!

00:02:49: Ich hab' mir gesagt: So was wird mir niemals passieren.

00:02:57: Heute weiß ich, das war eine Illusion.

00:03:02: Dieser Satz schützt niemanden.

00:03:06: Und genau deshalb spreche ich heute darüber, weil Gewalt kein Opferthema ist.

00:03:15: Gewalt ist ein Gesellschaftsthema und sie kann wirklich jeden treffen – Frauen aber auch Männer!

00:03:26: Egal wie gebildet du bist, egal wie erfolgreich du bist, egal wie vermögend du bist, egal wie stark du dich fühlst, Gewalt hat keine Schicht.

00:03:39: Und jetzt will ich dir ganz ehrlich sagen, was du vielleicht nicht hören willst!

00:03:45: In Österreich erlebt jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens körperliche und sexuelle Gewalt.

00:03:54: Jede Dritte. Das bedeutet, wenn du gerade drei Frauen vor deinen Augen hast, dann ist statistisch gesehen eine davon betroffen.

00:04:08: Und das sind nur die Fälle, die tatsächlich erfasst werden.

00:04:13: Allein im Jahr 2024 gab es in Österreich über 15.000 polizeiliche Betretungs- und Annäherungsverbote. 15.000! Und das in Situationen in denen die Polizei bereits eingreifen musste. Und dann gibt es noch etwas, das noch viel schwerer wiegt.

00:04:41: Femizide. Frauen, die von Partnern oder Ex-Partnern getötet wurden.

00:04:50: In Österreich sind es alleine voriges Jahr 25 Frauen. 25 Leben. 25 Geschichten die nie zu Ende erzählt werden. Und zusätzlich gab es über 30 Mordversuche und schwere Gewaltfälle. Menschen, die überlebt haben aber deren Leben nie wieder dasselbe sein wird.

00:05:22: Und trotzdem gibt es den einen Satz: Mir würde so etwas nie passieren.

00:05:33: Ich habe ihn selbst gesagt und dann kam der Moment. Der Moment, den ich mir nie hätte vorstellen können. Die Realität.

00:05:45: Mein dritter Ex-Mann hat mich geschlagen.

00:05:49: Ich sage das heute so klar, weil genau hier viele beginnen wegzuschauen!

00:05:58: Ich habe Anzeige erstattet und ja ich hab sie wieder zurückgezogen. Nicht weil ich zu schwach war, oder vielleicht war ich zu schwach, sondern weil Angst plötzlich mein Leben bestimmt hat.

00:06:19: Angst vor dem nächsten Tag, Angst vor dem nächsten Streit, Angst davor was passiert wenn ich gehe und Angst davor was passiert, wenn ich bleibe?

00:06:34: Viele glauben man geht einfach.

00:06:38: Nein, das sage ich dir, man geht nicht einfach. Denn was du unbedingt wissen solltest, der Gewalttäter, wenn du die Polizei rufst, wird für 14 Tage aus dem Haus gewiesen.

00:06:56: Aber er kommt zurück und er hat auch das Recht nach diesen 14 Tagen zurückzukommen, weil du ihm nicht sein Zuhause wegnehmen darfst.

00:07:12: Das ist die Realität, die einem jeden einmal klar sein sollte.

00:07:19: Ja, mir ist Gott sei Dank die Scheidung tatsächlich gelungen.

00:07:24: Erst viel, viel später habe ich begonnen darüber zu sprechen. Ganz vorsichtig. Und dann ist etwas passiert, das mich zutiefst erschüttert hat.

00:07:40: Menschen haben mir ihre Geschichten erzählt. Frauen, und ja, auch Männer, eine CEO, eine Millionärin, eine ehemalige Polizistin, heute Psychotherapeutin,

00:07:59: ein erfolgreicher Arzt.

00:08:01: Menschen, die du ansiehst und denkst, die haben ihr Leben im Griff. Und alle hatten wir eines gemeinsam. Wir waren irgendwann in gewalttätigen Beziehungen.

00:08:20: Und seitdem stelle ich mir immer wieder die Frage, wie viele Menschen in deinem Umfeld tragen so eine Geschichte in sich?

00:08:34: Vielleicht in deiner Familie.

00:08:37: Vielleicht in deinem Freundeskreis.

00:08:40: Vielleicht im Büro nebenan.

00:08:44: Vielleicht jemand, mit dem du noch gestern gelacht hast.

00:08:49: Vielleicht auch jemand der heute diese Folge hört!

00:08:56: Und ich sage dir nur eins, du weißt es nicht.

00:09:02: Weil sie schweigen!

00:09:05: Und wie immer gibt es einen Punkt über den ich ganz bewusst sprechen möchte: Geld.

00:09:14: Viele Menschen glauben, dass Geld Luxus sei.

00:09:18: Für manche Menschen bedeutet Geld etwas ganz anderes.

00:09:23: Nein, ich sag's in aller Deutlichkeit, Geld schützt dich nicht vor Gewalt.

00:09:30: Aber manchmal kann es den Unterschied zwischen gefangen sein, und der Freiheit gehen zu können ausmachen und das ist jetzt keine Theorie!

00:09:43: Das ist wirkliche Realität.

00:09:47: Viele Menschen bleiben in gewalttätigen Beziehungen weil sie auch finanziell abhängig sind.

00:09:52: Weil sie auch nicht wissen wohin sie gehen sollen.

00:09:56: Weil sie glauben sie schaffen es alleine nicht.

00:10:01: Finanzielle Unabhängigkeit bedeutet in solchen Momenten nicht Reichtum, sie kann Entscheidungskraft bedeuten und dir die Kraft geben wirklich gehen zu können.

00:10:15: Und jetzt möchte ich dir etwas in aller Deutlichkeit sagen: Wenn du das gerade hörst und betroffen bist, dann hör mir bitte gut zu! Du bist nicht schuld! Du bist nicht schuld! Und ich sage es noch einmal. Du bist nicht schuld!

00:10:53: Und, du musst dich nicht schämen! Egal was dir eingeredet wird, egal was du gehört hast, egal wie oft dir gesagt wurde, dass du es provoziert hast. Du bist nicht schuld! Es ist die Person, die dir Gewalt angetan hat oder auch noch immer antut.

00:11:09: Was solche Menschen in solchen Situationen am allermeisten brauchen, ist Vertrauen.

00:11:17: Nicht die Frage, wie konnte dir das passieren?

00:11:22: Glaub es mir!

00:11:24: Diese Frage, die mir danach gestellt wurde, hat mich so extrem verletzt.

00:11:30: Sie hat mich noch kleiner gemacht, als ich mich sowieso schon gefühlt habe und sie hat alles nochmal hochkommen lassen.

00:11:41: Und nein!

00:11:42: Ich konnte es zumindest damals nicht hören, wie sie gesagt haben oder wie sie gefragt haben "Wie konnte dir das nur passieren?

00:11:51: Du bist finanziell unabhängig, du bist erfolgreich, du bist eine gestandene Frau, du bist gebildet.

00:12:00: Wie konnte dir das nur passieren?"

00:12:03: Und ich sage dir eines.

00:12:06: Ich habe mich sowieso schon geschämt und ich hab mich sowieso schon schuldig gefühlt, und diese Frage hat etwas mit mir gemacht – nämlich dass ich mich noch kleiner gefühlt habe.

00:12:21: Die richtige Frage in diesem Moment ist: "Wie kann ich dir helfen? Und ich glaube dir".

00:12:29: Und jetzt spreche ich ganz bewusst auch die Männer an,

00:12:33: die hier zuhören.

00:12:34: Und ich weiß, es hören einige Männer zu!

00:12:38: Du bist vielleicht ein Bruder, du bist vielleicht einen Vater.

00:12:43: Du bist ein Unternehmer, eine Führungskraft und dieses Thema geht dich etwas an.

00:12:54: Wenn du eine Tochter hast, dann geht es dich etwas an.

00:12:57: Wenn du eine Schwester hast, dann geht es sich etwas an.

00:13:01: Wenn du Mitarbeiterinnen hast, dann geht es dich etwas an.

00:13:05: Und ja, wenn du einen Sohn hast, dann geht dich das erst recht etwas an!

00:13:11: Denn genau du als Vater kannst die innere Einstellung deines männlichen Sohns gegenüber Frauen prägen.

00:13:23: Gewalt gegen Frauen ist kein Frauenthema. Es ist ein Gesellschaftsthema.

00:13:31: Es braucht Männer, die aufstehen.

00:13:34: Die hinschauen!

00:13:35: Die nicht wegsehen.

00:13:37: Die nicht relativieren.

00:13:40: Gewalt kann wirklich jeden treffen.

00:13:46: Vor allem trifft sie aber aktuell Frauen und ja, es gibt auch Männer.

00:13:54: Und genau deshalb braucht es Mut.

00:13:58: Mut darüber zu sprechen.

00:14:01: Mut sich jemandem anzuvertrauen. Mut, um Hilfe zu bitten und Mut auch Hilfe anzunehmen.

00:14:12: Und Mut Entscheidungen zu treffen für ein Leben in Freiheit.

00:14:21: Lange Rede, kurzer Sinn:

00:14:24: Gewalt ist kein Opferthema.

00:14:27: Gewalt ist ein Gesellschaftsthema und Freiheit beginnt dort, wo Menschen die Möglichkeit haben zu gehen.

00:14:38: Manchmal beginnt diese Freiheit mit Mut und manchmal kann finanzielle Unabhängigkeit dir hoffentlich erleichtern wirklich gehen zu können.

00:14:54: Und vielleicht bleibt dir heute nur eine Frage, wenn jemand in deinem Umfeld den Mut hat dir zu sagen "Mir ist Gewalt passiert", was wirst du dann sagen?

00:15:10: Ich hoffe so sehr: "Ich glaube dir und ich bin da für dich".

00:15:19: Ich danke dir sehr, dass du mir bei dieser Folge heute zugehört hast und ich hoffe sehr, dass du aufstehst!

00:15:31: Wir werden natürlich unter dieser Folge in den Shownotes die dementsprechenden Kontaktstellen auch bekannt geben, an die du dich wenden kannst, falls dir Gewalt widerfährt.

00:15:47: Und ich sag's noch einmal, du bist nicht alleine und ich kann dir nur sagen, bitte um Hilfe,

00:15:54: denn es ist wirklich schwer, allein durch solche Situationen durchzukommen.

00:16:01: Und nächsten Dienstag spreche ich genau zu diesem extrem wichtigen Thema, mit einer Frau, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, anderen in solchen Situationen zu helfen, zu unterstützen, zuzuhören und einen Weg zu finden das Leben wieder lebenswert zu machen.

00:16:25: Danke, dass du zugehört hast.

00:16:27: Bis zum nächsten Mal!

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