Investieren & Reflektieren mit Wolfgang Keil

Shownotes

In dieser Episode erfährst du:

  • Warum Emotionen beim Investieren oft unterschätzt werden
  • Wieso Luxusgüter wie Uhren oder Wein selten echte Wertanlagen sind
  • Wie man Besitz von echtem Vermögenswerten unterscheidet
  • Warum Unsicherheit ein fixer Bestandteil guter Entscheidungen ist

Mit dabei: Persönliche Einblicke, ehrliche Reflexionen und viele Gedanken, die zum Weiterdenken anregen.

Über meinen Gast:

Wolfgang Keil ist Investor aus Leidenschaft und ein Mensch, der Zahlen nicht nur versteht, sondern einordnen kann. Seine Erfahrungen von den ersten Schritten als Sparer bis hin zu jahrzehntelangem Investieren, machen ihn zu einem Gesprächspartner, der nicht nur Wissen teilt, sondern Perspektiven.

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Lange Rede, kurzer Sinn gibt's jetzt wöchentlich! Neue Folgen erscheinen jeden Dienstag.

Transkript anzeigen

00:00:11: Hallo und herzlich Willkommen bei

00:00:13: Lange Rede, kurzer Sinn.

00:00:16: Mein Name ist Monika Maximilian und ich freue mich riesig, dass du bei dieser Episode wieder dabei bist!

00:00:24: Heute habe ich wieder einen ganz besonderen Gast und ich freu' mich sehr, dass er aus dem Südburgenland heute in der Früh doch eine lange Anfahrtszeit aufgenommen hat.

00:00:37: Der liebe Wolfgang Keil begleitet mich schon seit sehr vielen Jahren in meinem Leben und es ist auch heute eine ganz besondere Folge, weil falls ihr euch erinnern könnts, in der Folge 8 war seine charmante Frau, Monika Keil zu Gast

00:00:55: und heute habe ich die große Ehre den Wolfgang bei mir zu Gast zu haben!

00:01:02: Wir beide kennen uns schon seit sehr vielen Jahren.

00:01:06: Wie ich mich auf diese Folge vorbereitet habe, haben wir miteinander telefoniert und mir ist dieser Satz noch so gut in Erinnerung wie du gesagt hast.

00:01:16: Ich weiß gar nicht, wie ich dazu komme zu dir eingeladen worden zu sein weil ich bin ja nur ein armer Bursche aus Salzburg, hochverschuldet!

00:01:29: Ja ich hab es doch ein bisschen zu etwas gebracht.

00:01:33: Aber in meinem Podcast geht es ja um das Leben, es geht um Leute,

00:01:39: es geht um ein bisschen Geld und deswegen möchte ich dich einmal bitten, dich unseren Hörerinnen und Hörern vorzustellen.

00:01:50: Hallo Monika!

00:01:51: Schön dass ich bei dir sein darf.

00:01:54: Ja du hast mich schon wunderbar eingeleitet.

00:01:57: Wir kennen uns bereits,

00:01:58: wenn man genau darüber nachdenkt, ein Vierteljahrhundert - 25 Jahre, wer könnte das glauben, wenn man dir gegenüber sitzt, kann man nicht glauben dass du überhaupt ein Vierteljahrhundert alt bist.

00:02:08: Und wir kennen uns schon so lang seit

00:02:10: 2001 glaube ich.

00:02:13: Und ja es stimmt ich bin geboren in Salzburg, am Stadtrand von Salzburg, was nicht viel heißt weil Salzburg hat 140.000 Einwohner und 

00:02:23: wenn du da am Stadtrand wohnst, dann bist du trotzdem in einer viertel Stunde mit einem Fahrrad im Zentrum. In einem kleinen Häuschen, das meine verschuldeten Eltern besessen haben und weil du eben das mit den Schulden ansprichst,

00:02:39: also ich habe dort mitbekommen was Schulden sind, vor allem wenn man sie nicht regelmäßig bedienen kann, welche Auswirkungen es auf die Familie an sich hat und deswegen waren Schulden,

00:02:56: das habe ich mitbekommen von Salzburg, eigentlich das große Tabu für mich, ja.

00:03:00: Ich hab in meinem weiteren Leben nur ein einziges Mal für wenige Monate einen Kredit aufgenommen und das war es dann auch.

00:03:06: Ich bin dann ... ich habe in Salzburg schon ein paar so Arbeitserfahrungen gemacht, was man halt so macht wenn man in die Schule geht oder wenn man kurz einmal auf die Uni geht, als Ferialjob Nachtschicht bei der Post oder auch Tellerwäscher in Wald im Pinzgau, in einem Hotel einmal eine Wintersaison als Abwäscher und Küchenhilfe gearbeitet.

00:03:29: Und habe aber immer geträumt von der großen, weiten Welt!

00:03:33: Die große, weite Welt war für mich in Österreich entweder Graz oder Wien noch besser Wien als Graz – mit Wien hat es dann auch funktioniert, also die Romantik und die Liebe hat mich nach Wien verschlagen.

00:03:48: Und in Wien habe ich dann, nicht wirklich früh, sondern eigentlich altersmäßig mit vierundzwanzig Jahren relativ spät, einigermaßen ernsthaft zu arbeiten begonnen.

00:04:02: Arbeiten war für mich nie ... ein großer Wunsch, muss ich jetzt ehrlich zugeben.

00:04:09: Ich hab mir gedacht, ich schlag mich durchs Leben und streif bei der Arbeit nicht wirklich mehr als notwendig an und habe aber dann einen Job gefunden, bei dem ich hängen geblieben bin.

00:04:22: Das war auch in der Finanzdienstleistung und hab da noch einmal gewechselt zu einem anderen Finanzdienstleister, wo wir uns kennengelernt haben.

00:04:33: Ja so ist ungefähr ganz kurz der Lebensweg wie ich nach Wien gekommen bin.

00:04:39: Vielen Dank.

00:04:41: Du arbeitest ja jetzt auch im Controlling und wie wir uns kennengelernt haben vor fünfundzwanzig Jahren, hast du auch eine Führungsposition im Controling inne gehabt.

00:04:54: Zahlen waren immer schon deins, Wolfgang?

00:04:58: Zahlen, ja waren das immer schon meines? Irgendwo, irgendwo schon, weil Zahlen sind halt so eine abstrakte Größe.

00:05:11: Zahlen haben absolut keine Emotionen, zahlen gehorchen eindeutigen Regeln und wenn man die Regeln versteht kann man mit Zahlen spielen und es bleibt in sich schlüssig und logisch was rauskommt.

00:05:26: Man kann Zahlen auch immer von verschiedenen Richtungen betrachten.

00:05:30: Man kann verschiedene Perspektiven einnehmen, verschiedene Aussagen herleiten.

00:05:37: Also das waren insofern, ja, haben Zahlen eine gewisse Faszination.

00:05:43: Es ist allerdings, was mich noch mehr fasziniert hat,

00:05:45: was aber da rein spielt, war in der Schule noch haben wir programmieren gelernt und programmieren war für mich eine generelle Schule, weil du musst, um einen Zustand ... einen Endprogrammzustand herzustellen und ein Programm zu schreiben, musst du genau dich selbst beobachten wie du eigentlich Dinge in kleine und kleinste Schritte zerlegst,

00:06:16: um sozusagen diesen Blechtrottel dazu zu programmieren, genau das zu machen was du von ihm erwartest.

00:06:25: Wenn ich zu dir jetzt sage, trink einen Schluck!

00:06:30: Dann wird deine Hand wahrscheinlich zum Glas gehen, das herziehen und zum Mund führen,

00:06:34: du wirst den Mund öffnen, du wirst das Glas kippen,

00:06:37: es wird Flüssigkeit in deinen Mund kommen,

00:06:39: du wirst ihn hoffentlich wieder schließen und eine Schluckbewegung machen

00:06:43: und dann wirst du getrunken haben, das Glas wieder abstellen.

00:06:46: Das umfasst unser Kürzel "trink einen Schluck".

00:06:50: Aber der Computer kennt das Kürzel nicht,

00:06:52: heißt

00:06:53: du musst einmal dein "trink einen Schluck" genau so in diese kleinen Einzelschritte zerlegen dass am Schluss dieses Ergebnis rauskommt.

00:07:02: Wenn ich dir sage, sortier die drei Zahlen aufsteigend dann wirst du das können und du wirst nicht wissen warum du es kannst.

00:07:08: Durch sehr große Selbstbeobachtung wirst du aber herausfinden, wie du es machst und dann wirst du das dem Computer auch beibringen können in einer Programmiersprache, wenn du die Syntax beherrschst.

00:07:20: Das hat mich total fasziniert und auf diese Art und Weise konnte ich dann auch in der Mathematik, wo es ja um Zahlen geht, auch Formeln zerlegen – in kleine Schritte!

00:07:30: Das hat mir zum Beispiel in diesen Themen irrsinnig viel weiter geholfen.

00:07:36: Insofern haben Zahlen für mich eine gewisse Faszination.

00:07:41: Geben Sie dir auch Sicherheit?

00:07:45: Ja, in diesem abstrakten Raum wo Zahlen gültig sind geben sie natürlich Sicherheit.

00:07:51: Aber das muss man halt auch immer wissen,

00:07:53: Zahlen sind etwas Abstraktes und ja, ich kann sagen da jetzt am Tisch sind eins, zwei, drei, vier, fünf Sessel, aber jeder Sessel ist ein bisschen anders als ein anderer Sessel.

00:08:10: Also im Abstrakten können wir sagen, da sind jetzt zwar fünf Sessel aber wenn wir genau sagen wollen was denn das jetzt ist, dann werden wir darauf kommen dass da fünf verschiedene Dinge sind die eben groben ähnlich ausschauen aber im Detail unterschiedlich sind.

00:08:26: Und das ist so der Unterschied zwischen den Zahlen, die im abstrakten beschreiben: da sind fünf Stück aber in der Wirklichkeit ist der eine vielleicht schon mehr durchgesessen,

00:08:36: man sitzt auf dem nicht so gut wie auf dem anderen, beim einen ist die Husse ein bisschen da oder dort verrutscht.

00:08:43: Da ist es womöglich... Ich will jetzt nicht kontrollieren ob nirgendwo ein Fleck drauf ist.

00:08:49: So unterscheiden sich diese Dinge wieder.

00:08:50: Im abstrakten nicht, aber im realen doch.

00:08:54: Wolfgang, ich möchte noch in deine Vergangenheit zurückgehen.

00:08:57: Wir sind doch vor einigen Jahren mit meinem Thomas und deiner Monika zusammen gesessen,

00:09:02: wir wurden zu euch eingeladen über ein Wochenende in eure wunderschöne Viakanta, auf die ich noch später zu sprechen komme.

00:09:10: Und da habe ich dich zum ersten Mal wirklich auch als Person kennenlernen dürfen und du hast uns noch mehr über deine Lebensgeschichte damals verraten nämlich deine Passion zur Musik, zum Gitarre spielen und auf das möchte ich schon bitte zurückkommen.

00:09:32: Erzähl uns einmal, weil ich kann mich auch da noch an den Satz erinnern.

00:09:37: "Ich wollte Musiker werden und dann kam die Realität!"

00:09:41: Ja ja, dann kam die Realität.

00:09:45: Also wie jeder gute Salzburger lernst du Blockflöte, mit acht Jahren.

00:09:50: Und dann mit neun oder zehn als guter Salzburger lernst du Ziehharmonika. So... Und ich habe es gehasst.

00:09:57: Ich muss aber der Blockflöte zumindest zugute halten, ich hab die Noten mit ihr gelernt und das hat mich dann eigentlich mit 15, als ich aus eigenem Antrieb Gitarre spielen lernte, tatsächlich ein bisschen weitergeholfen.

00:10:12: Warum wollte ich Gitarre spielen?

00:10:13: Wir lernen ... als ich 15 Jahre alt war, das war 79 ungefähr, 1979,

00:10:22: also da gab es kein Internet, da gab's kein Gaming, da gabs kein YouTube, da gabs keine Computer, da gab's nichts.

00:10:30: Also hast du irgendwas gebraucht um um die Girlies zu beeindrucken.

00:10:35: So, jetzt wie beeindruckst du Frauen in dieser Umgebung?

00:10:40: Wo du nicht mit irgendwelchen Highscores oder sowas angeben kannst, sondern wo du eigentlich nur die Schule hast?

00:10:46: Und dann musst du sagen, okay du schaffst die Schule aber darüber hinaus bist du fähig noch was anderes zu erlernen, nämlich zum Beispiel die Gitarre.

00:10:58: Das war nicht der einzige Grund, sondern damals ist rausgekommen -

00:11:01: ich weiß es noch genau, 25. Juli 1980, ist rausgekommen das Album Back in Black von ACDC und wir haben alle gehört Hell's Bells, die Nummer, die auf dem Album oben ist.

00:11:16: War sogar das erste Album, wo der Brian Johnson gesungen hat,

00:11:19: weil der alte Sänger an seinem eigenen Erbrochenen gestorben ist.

00:11:24: Also es war extrem beeindruckend für uns alle sehr und das Lied hat uns nicht mehr schlafen lassen und ich hab beschlossen E-Gitarre muss es sein!

00:11:31: Ich hab mir dann eine E- Gitarre gekauft und die Nachbarschaft und auch die eigenen Eltern terrorisiert damit und es war für mich einfach großartig, Gitarre spielen.

00:11:41: Es war genau das was ich gebraucht habe die Fähigkeit, die Fingerfertigkeit etwas mit Noten auszudrücken.

00:11:49: Dazu kommt noch dass in der Musik Mathematik eine ganz große Rolle spielt.

00:11:55: Eine ganz grosse Rolle spielt, denn Musik, jedenfalls unser westliche Musik, ist,

00:12:00: durch Schwingungsteilungen werden Töne festgestellt und es geht eigentlich auf den Pythagoras zurück.

00:12:08: Es geht von der Octave aus, die man teilt.

00:12:11: Und durch Teilung gibt's diese zwölf verschiedenen Noten.

00:12:16: Sieben Noten bilden wieder eine Tonleiter, eine Durtonleiter oder auch eine Molltonleiter.

00:12:23: Es gibt dann noch andere Tonleitern aber im Wesentlichen hat jede Tonleiter sieben Töne.

00:12:28: Das Ganze folgt ebenfalls mathematischen Gesetzen, weil Töne sind

00:12:32: Schwingungen und Schwingung kannst du messen.

00:12:34: Das drückt sich wieder in Zahlen aus ja?

00:12:36: Du kannst zwei Schwinglungen gleichzeitig spielen lassen oder sogar drei,

00:12:42: dann kommst zu einem Akkord.

00:12:43: Und warum der gut klingt oder dissonant klingt hat auch wieder mathematische Gründe.

00:12:48: Und wie das ganze zusammen spielt hat mich natürlich fasziniert.

00:12:52: Ja!

00:12:53: Und dann kann man eben über den Umweg eines Musikinstruments mit Mathematik dann doch Emotionen ausdrücken.

00:13:05: Weil Musik ist ja voller Emotion, wobei der Hintergrund, der Background reine Mathematik ist und das ist irrsinnig faszinierend!

00:13:13: Und ich habe in Bands gespielt in Wien dann... einige Zeit am Konservatorium verbracht, in der Arena hat es Auftritte gegeben.

00:13:23: Es war eine großartige Zeit und die Gitarre begleitet mich nach wie vor.

00:13:29: ich bin nicht mehr so aktiv, ich übe nicht mehr drei, vier Stunden am Tag sondern gar nicht.

00:13:37: Ich nehme es ab und zu in die Hand und spiele ein bisschen damit

00:13:41: aber wenn du als Musiker damals, also in den 80er und 90er Jahren erfolgreich sein wolltest, dann hättest du das wie einen Job acht Stunden am Tag üben müssen.

00:13:54: Dann mit ein bisschen einem Talent,

00:13:56: also Konsequenz und Übung schlägt immer Talent,

00:14:02: das ist klar!

00:14:03: Dann hättest wahrscheinlich auch was erreichen können.

00:14:06: Wenn ich mir aber anschaue wie es heute den Musikern geht, also denjenigen, die ein Instrument spielen und da wirklich großartig sind,

00:14:13: also sie tun sich wirklich schwer, also durch das ganze mp3, durch das Streaming, wie die, in Anführungszeichen, beklaut werden um

00:14:23: ihre Produktivität, ist wirklich schlimm.

00:14:27: Die müssen jetzt touren und ich bin froh wenn ich in dem Alter immer noch aus dem Bett komme, ja?

00:14:35: Aber ich will doch nicht von Ortschaft zu Ortschaft jingeln und dort vor ein paar Leuten spielen, damit ich auf meine Kosten komme.

00:14:48: Also da habe ich eigentlich schlussendlich doch den richtigen Weg, oder den gemütlichen Weg des Angestelltenseins eingeschlagen, allerdings natürlich das Gefühl ein Publikum zu begeistern, das hätte man als Künstler mehr gehabt.

00:15:13: Aber du brennst ja noch immer für die Musik?

00:15:15: Also du brennst noch immer!

00:15:17: Es ist auch noch immer dein Hobby, ihr habt ja manchmal noch immer Auftritte... Für mich jetzt, rein vom Verständnis her.

00:15:25: Die Realität hat dich quasi auf den Boden geholt und das war dir damals klar,

00:15:31: von der Musik kannst du nicht so leben finanziell auch wie du leben

00:15:37: wolltest oder?

00:15:38: Nein also du sagst es genau richtig,

00:15:40: die Realität hat mich da ziemlich schnell vernünftig gemacht.

00:15:44: Ich bin mit 26 Vater geworden.

00:15:50: Es hat Geld ins Haus müssen, ganz einfach.

00:15:53: Und das wäre mit Musik nicht gegangen.

00:15:55: Ich habe zwar versucht so mit Musikunterricht oder so Einzelunterricht zu geben aber da kommt ja nichts zusammen.

00:16:02: Also aussichtslos,

00:16:04: also bin ich arbeiten gegangen und hab mir einen Job gesucht.

00:16:07: Okay

00:16:07: okay das verstehe ich jetzt richtig?

00:16:09: Lass mich bitte hier nachfragen!

00:16:13: Geld war für dich damals Werkzeug um deine Familie zu ernähren.

00:16:20: Eindeutig, ja.

00:16:21: Also

00:16:21: nicht aus dem Selbstzweck heraus, sondern wirklich ein Werkzeug deiner Familie, deinem Sohn ein gutes Leben bieten zu können.

00:16:30: Ja genau

00:16:31: also ich wollte nie in die Situation kommen eben irgendwelche Schulden haben zu müssen oder so.

00:16:36: Das war so ein

00:16:37: Tabu.

00:16:38: Das ist auch nach wie vor ein totales Tabu,

00:16:41: bei mir gibt es keine Schulden, das kommt mir nicht ins Haus, obwohl ich verstehe, dass das ab und zu nicht das Richtige ist.

00:16:48: Man kann schon, wenn die Umstände passen, ist einen Kredit aufzunehmen, eine vernünftige Sache.

00:16:56: Nur würde mich der nicht ruhig schlafen lassen.

00:17:00: Weil ich muss immer schauen, dass ich die Kreditraten bedienen kann.

00:17:04: Das bedeutet, ich brauche immer einen Job.

00:17:05: Ist der Job immer hundertprozent sicher?

00:17:07: Wenn du kein Beamter bist, nein!

00:17:09: Damit kommt es für mich nicht in Frage.

00:17:11: Damit war für mich immer so, du sparst, wenn du was haben willst... Dann sparst du dorthin und wenn du das Geld hast, dann kaufst du dir's.

00:17:18: Und nicht umgekehrt,

00:17:19: du kauf das jetzt und sparst es ab, sozusagen!

00:17:23: Ich mag deine Einstellung sehr, weil wir ja auch merken, dass die Insolvenzen ganz krass steigen

00:17:29: im privaten

00:17:30: Bereich und wobei auch im Unternehmertum muss man dazu sagen.

00:17:36: Und was mir ein bisschen große Sorge macht, ist vor allem bei jungen Leuten. Ja, also ich mag deine Einstellung sehr und bin eine große Befürworterin davon.

00:17:47: Und mittlerweile bin ich schon auch... eine große Beführworterin von Bargeld geworden wieder, weil man hier für mich jetzt mehr das Gefühl hat, wie viel Geld geht wirklich aus dem Börsel raus?

00:18:03: Aber heute geht es gar nicht um das sondern es geht um dich und was mir so wichtig ist, diese Zeit, also du hast ja damals gearbeitet.

00:18:11: Ich verstehe es, Schulden waren absolut tabu aber du hast schon deine Leidenschaft entdeckt Investor zu werden.

00:18:22: Bitte

00:18:23: nimm uns mit auf diese Reise, wie das begann, dass du gesagt hast, okay - ich nehme dich wahr als Zahlen, Daten, Fakten Mensch.

00:18:34: Dann hast du angefangen Geld anzusparen, sagen wir mal so.

00:18:37: Es ist ein bisschen was übrig geblieben.

00:18:39: Und dann hast du gesagt, okay ich investiere.

00:18:43: Wie kam es dazu?

00:18:44: Ein bisschen bitte!

00:18:46: Und was war so

00:18:48: dieser Knackpunkt, dass du gesagt hast, also am Sparbücherl bleibt das geht nicht oder nur mehr eine Liquiditätsreserve?

00:18:56: Ja

00:18:57: herangeführt ans sparen ist man damals geworden, in dem am 31.10. eines Jahres der Weltspartag ausgerufen wurde und da wurde das Sparschwein geschlachtet vom Bankbeamten.

00:19:12: Der hat dann die Münzen gezählt und den zehner oder zwanziger, in Schilling damals und man hat halt dann irgendwas gekriegt, ja irgendein kleines Geschenk von der Bank.

00:19:24: Und dann hat man da am Sparbücherl schauen können, wie das gewachsen ist.

00:19:28: Das hat man beobachten können und da hat's ja noch viele Zinsen dafür geben wenn man das mit heutzutage vergleicht.

00:19:36: Aber jedes Kind hat so ein bisschen gespart.

00:19:42: Da hat man diesen Spargedanken ein bisschen in das Kind reingetragen und ich hab das verstanden.

00:19:48: Also unter dem Jahr, wenn ich da zum Opa gehe und ihn quäle mit meiner Ziehharmonika hat er mir zehn Schilling gegeben, damit ich wieder aufhör, und die zehn Schilling hab ich in das Sparbuch geschmissen und das hab' ich dann halt einmal im Jahr da hin gebracht.

00:20:01: Also ich hab irgendwie für mich schon relativ früh erkannt, ich muss irgendwas machen und entweder findet er das so großartig oder er findet es so horrös.

00:20:10: Ich kriege auf jeden Fall ein Geld dafür, entweder dass ich aufhör oder weil ich es gut gemacht habe und das kann ich dann am 31.10. dort in der Bank parken und dann sehe ich da, ein paar Zinsen, paar Prozent und so kommt dazu wie aus heiterem Himmel, wie das Ganze funktioniert hab ich natürlich nicht verstanden. In Wien

00:20:27: dann habe ich noch kein wesentlich größeres Verständnis von der ganzen Sache aufgebaut.

00:20:34: Es hat in den Achtzigerjahren so ein Hype um österreichische Aktien gegeben und da habe ich einmal zugeschlagen bei Aktien, bin zur Bank gegangen, hab gesagt ich will mir jetzt von dieser Firma diese Aktien kaufen – der Bankbeamte total abgeraten, das zu machen.

00:20:49: Ich habe einfach gesagt ich will das trotzdem machen weil alle anderen haben sich da jetzt eine Stereoanlage kaufen können von dem und ich will das auch.

00:20:58: Meine Aktien sind natürlich abgestürzt ja.

00:21:00: Da ist überhaupt nichts draus worden und die sind im Nirwana verschwunden.

00:21:06: Ich hab das Depot nie aufgelöst, weil glaube ich die Depot-Kosten nach Jahren bereits den Wert der Aktien überstiegen haben also katastrophal.

00:21:17: Dann aber im Zuge dessen, dass ich bei dem Finanzdienstleister gearbeitet habe, hab ich gesehen,

00:21:23: da gibt es andere Dinge auch noch, nämlich Investmentfonds

00:21:28: hat es damals gegeben und der hat immer rausgebracht, monatlich so ein Zettel mit Investmentfonds.

00:21:34: Da war die Bezeichnung des Fonds und daneben war ein Prozentsatz angegeben.

00:21:38: Und ich habe ihn gefragt, wie du pass auf, was heißt das?

00:21:41: Ja da steht acht Prozent.

00:21:44: Ist das jetzt eine jährliche Verzinsung oder was?

00:21:47: Hat er gesagt na das Papier hat das im letzten Jahr gemacht.

00:21:51: Acht Prozent im Monat.

00:21:53: Entschuldigung, nicht im Jahr habe ich gesagt, im Monat!

00:21:57: Das gibt es ja nicht.

00:21:59: Was ist da?

00:22:01: Da muss ich dabei sein und dann habe ich mich schon ein bisschen schlau gemacht was ist überhaupt der Aktie, was ist ein Investmentfonds, was bedeutet das ganze,

00:22:11: diese Performance, Cost-Average-Effekt, diese Dinge sind mir dann bewusst geworden.

00:22:18: Und mich hat eigentlich schon sehr fasziniert, dass wenn du Aktien kaufst, du ja eigentlich nicht sparst, sondern dass du dich beteiligst am Firmenerfolg und dass du auf diese Art und Weise als Angestellter auch Eigentümer eines Unternehmen werden kannst.

00:22:40: Und was ja jeder Mensch der länger im Angestelltenverhältnis arbeitet, erkennen muss ist, durchs arbeiten wirst nicht reich.

00:22:49: Reich wird immer nur der Unternehmer und auf diese Art und Weise kannst du auch Unternehmer werden und nicht nur eines Unternehmens – wie es mit einer Einzelaktie natürlich auch möglich – sondern du kannst auch noch dein Risiko streuen über mehrere Unternehmen. Und es gibt ja tausende Investmentfonds und da gibts ja Spezialitäten usw.

00:23:11: oder du tust weltweit und hin und her.

00:23:13: So, und das ist für mich extrem stark eingefahren, weil du partizipierst am Erfolg der Unternehmen und wenn ich mir jetzt den MSCI World weiß ich nicht, gibt's verschiedene, aber sagen wir mal den mit 2400 Unternehmen, die weltweit größten Unternehmen,

00:23:31: also solange es die Menschheit gibt, wird es 2400 größte Unternehmen geben.

00:23:39: So, das heißt für mich ist es die sicherste Art und Weise Geld anzulegen, die ich mir überhaupt vorstellen kann.

00:23:47: Natürlich gibt's auf von abs aber die gibt's - so wie es runter geht, geht's auch wieder rauf.

00:23:54: Und so wie es raufgeht, gehts auch wieder runter.

00:23:56: Und da aber die Menschen irgendwie so programmiert sind, immer alles effektiver, effizienter zu machen und dadurch immer mehr Wert zu generieren, wird das ganze Ding mittelfristig, langfristig wahrscheinlich immer mehr wert sein.

00:24:10: Das hat mich überzeugt und seitdem, also das sind seit Mitte der neunziger Jahre, investiere ich da jetzt, weil da sagt man dann nicht sparen sondern investieren, und das bildet eigentlich die finanzielle Grundlage meines Lebens.

00:24:29: Man lernt sich durchs Investieren extrem gut selbst kennen.

00:24:36: Das würde einem beim sparen erspart bleiben, die Selbsterkenntnis.

00:24:41: Beim Investieren wird man wirklich mit seinen Ängsten und seiner psychischen Verfasstheit gut konfrontiert.

00:24:49: Ich mag deine Einstellung ganz besonders gerne und du weißt in meinen Beratungsgesprächen, wenn wir überhaupt einmal analysieren ob du für Investments geeignet bist,

00:25:03: bin ich schon eine die überhaupt erklärt was ist ein Investment?

00:25:07: Ja?

00:25:08: Und du bestätigst mich darin, es ist so schön, dass du dich auch selber als Investor, als Teilanteilshaber an dem Unternehmen empfindest.

00:25:22: Und das ist der riesige Unterschied, sage ich immer zwischen Spekulation und Investor.

00:25:28: Weil wenn ich ein Investor bin, dann denke ich langfristig, dann glaube ich an das Unternehmen oder an die vielen Unternehmen, die in einem Investmentfonds drinnen sind.

00:25:42: Und ja... Das weiß man ja,

00:25:46: ein Unternehmen dreht sich nicht wie die Fahne im Wind. Es baut eine Strategie auf.

00:25:50: Man muss eine Zeit lang diese Strategie verfolgen.

00:25:54: Ja, man darf auch die Weichen ändern, ja das ist auch wunderbar.

00:25:59: Aber was ich auch bei dir rausgehört habe so eben, es ist schon auch eine Disziplin gewesen drin zu bleiben und nicht - und du bist ja schon sehr lange investiert -

00:26:13: du hast schon viele Krisen erlebt und ich gratuliere dir auch, dass du deine Emotionen beherrscht

00:26:19: hast

00:26:20: und nicht hier aus Panik aus deinen Investments rausgegangen bist, sondern, wir haben ja auch in unserer Vorbereitung darüber geredet, dass du sehr wohl eine Person auch warst, die Krisen als Chance genutzt hast

00:26:35: also Investor, richtig?

00:26:38: Ja, das ist mir in meinen Phasen größter Kaltblütigkeit tatsächlich gelungen.

00:26:45: Es ist mir fast öfter nicht gelungen!

00:26:49: Weil du hast... gibt es so verschiedene kognitive Dissonanzen und verschiedene Fallen die dir das Leben stellt.

00:26:57: Und wie gesagt wenn du investierst und dein eigenes Geld investierst, dann hast du ja wie der Nassim Taleb so schön sagt "skin in the game", es geht um dein eigenes Geld und nicht von dem irgendeines anderen.

00:27:13: Und wenn du in einer Krise dann, weiß ich nicht, dreißig, vierzig Prozent des Betrags, den du schon gemäß der Bücher hast, wenn sich der in Luft auflöst... dann ist es der Moment, wo du dich selbst extrem gut kennenlernst.

00:27:31: Aber du sagtest das auch, etwas gemäß der Bücher?

00:27:34: Ja,

00:27:34: gemäß der Bücher!

00:27:35: Aber es ist ja so, dass ein Verlust von hundert Euro doppelt hoch schmerzt wie ein Gewinn von hundert Euro gut tut.

00:27:44: So sind wir leider gestrickt.

00:27:46: Wir sind Verlust... Diese Verlustaversion, wie man sie auch nennt, ist ja extrem ausgeprägt und man muss da wirklich extrem cool sein und nicht in der momentanen Emotion handeln.

00:28:02: Aber das ist schwer, aber das ist schwer!

00:28:04: Also wenn man denkt... Erinner dich an Corona!

00:28:06: Ja, das war 2019, hat man so Meldungen gehört,

00:28:11: in China ist irgendwas.

00:28:13: So dann war der Jahreswechsel auf 2020 und in China ist noch immer irgendetwas.

00:28:19: Und komisch, jetzt kommt es da her

00:28:21: und was machen die Chinesen?

00:28:23: Die sperren alle ein und setzen alle Masken auf usw.. Und dann kommt schon langsam so, kommt es jetzt oder kommt es nicht.

00:28:32: Dann kommt das plötzlich mit voller Wucht und die Börsen fallen um zig Prozent.

00:28:38: In der Situation wo du nicht weißt, sterben wir jetzt alle?

00:28:42: Ist das die spanische Grippe?

00:28:45: Die Politik hilft da auch nicht weiter.

00:28:48: Du hast keine Ahnung!

00:28:49: Du bist in vollkommen unbekanntem Terroir.

00:28:52: Und was machst du jetzt?

00:28:55: Rettest du das, das noch da ist oder also der kaltblütigste Kauf danach?

00:29:05: Nur das musst du mal schaffen.

00:29:09: Das Gefühl zu überwinden, schlechtem Geld noch gutes nachzuwerfen.

00:29:15: Und vor dem Corona, da hat's mehr so Vorfälle gegeben.

00:29:19: Ich eri nnere, wie die Flieger da in die Türme geflogen sind, an die Finanzkrise

00:29:24: 2007/2008.

00:29:26: Also, 2018, auf 2012 glaube ich war was, also es gab

00:29:31: dann dauernd - oder in den neunziger Jahren die Südostasienkrise.

00:29:36: Also diese Krisen sind natürlich extrem cool zum Aussitzen, wenn du beginnst zu investieren.

00:29:42: Wenn du ich weiß nicht, einmal 10000 Euro drinnen hast und dann verlierst du da mal die Hälfte, dann denkst du auch, wow okay, da hat mir die

00:29:49: Monika gesagt, Cost Average schlägt jetzt voll zu bei mir,

00:29:53: ich muss jetzt nachkaufen.

00:29:54: Das ist sicher gut für mich.

00:29:56: Aber stell dir vor, du hast 500.000 drin und aus denen werden 250.000?

00:30:00: Da tust schon nimmer so leicht sagen, ja gute Chance!

00:30:04: Jetzt mit meinem Sparplan von 500 Euro im Monat hole ich das ja gleich wieder auf.

00:30:10: Ist nicht so.

00:30:12: Und in der Situation trennt sich halt die Spreu vom Weizen und ich gehörte oft genug zur Spreu, ja?

00:30:19: Und bin abgesprungen habe aber immer lernen müssen, dass der Absprung eigentlich ein Fehler ist.

00:30:25: Weil, du springst zu spät ab und steigst so spät wieder ein.

00:30:31: So!

00:30:32: Und jetzt nimmst du dieses zu spät und zu spät und die beiden zu späts nimmst du mit und holst du nicht mehr auf.

00:30:41: Danke, dass du das sagst.

00:30:43: Weil für meine Erfahrung, auch mit meinem eigenen Geld, als auch als Financial Plannerin in der Verantwortung doch über einige Millionen von Kundengeldern habe ich gemerkt, das Momentum erwischst nicht.

00:30:58: Ich möchte ein bisschen umschwenken!

00:31:01: Das was unsere Hörerinnen und Hörer ja noch nicht wissen, das habe ich vergessen zu verraten... Du bist ein leidenschaftlicher

00:31:10: Sammler.

00:31:12: Du bist Sammler von Uhren, Uhren wurde eine riesige Leidenschaft von dir.

00:31:18: Es war auch eine Zeit lang Wein und bitte erzähl uns einmal, ist das sammeln für dich Besitz gewesen oder ist sammeln für dich Besitz?

00:31:31: Oder ist es eine Form Geschichte festzuhalten?

00:31:36: Wie kam es zu deiner Sammelleidenschaft?

00:31:39: Ich weiß gar nicht, ob das Wort Sammelleidenschaft so wirklich das genau richtige ist.

00:31:44: Also wenn man jetzt einmal vom Wein absieht ... Wein habe ich einfach gern getrunken und in Mengen die eindeutig zu viel sind, ja und hoch sind.

00:31:54: Und das war halt auch eine Phase, da war Wein so ein richtiger Hype.

00:32:02: Jeder hat Wein getrunken. Und da musste man den probieren und den probieren, weil da ist vielleicht noch ein Nuancerl dabei,

00:32:10: das hat man noch nicht erschnuppert.

00:32:12: Und das muss man in seinem Leben unbedingt haben.

00:32:17: So war das ein bisserl.

00:32:19: Ich kann mich noch erinnern – es begann so 2000 herum, wo plötzlich auch die Weine aus Bordeaux ... Die Rotweine aus Bordeaux, die ja weltberühmt noch immer sind in aller Munde war, im wahrsten Sinne des Wortes.

00:32:40: Und wo man auch bemerkt hat wie plötzlich Weine preislich anziehen und steigen.

00:32:48: Da gibt es ja in Bordeaux diese fünf premier grands crus classés.

00:32:56: Damals in der Weltausstellung 1870, hat man diese Klassifikation in Frankreich eingeführt und da hat man vier premier grands crus classés klassifiziert.

00:33:09: Und Mouton Rothschild war immer angefressen, weil es nur ein Second war und kein Premier.

00:33:14: Der hatte das auch auf seinem Etikett.

00:33:17: Erster darf ich nicht sein, zweiter will ich nicht sein.

00:33:19: Das war so sein Motto.

00:33:22: Und der ist dann 1973 in die premier grands crus classés aufgestiegen also das Höchste was es in Frankreich zu erreichen gibt.

00:33:31: Die musstest du zwei Jahre bevor sie geerntet worden sind und ausgeliefert worden sind, subscribieren.

00:33:38: Du musstest da sagen ich kaufe jetzt zwölf oder vierundzwanzig und so weiter und viele Leute haben ... Und eine Flasche hat da gekostet weiß ich nicht, 500 Euro in der Subskription,

00:33:47: das heißt der Wein ist noch nicht einmal fertig gewesen, der ist noch immer im Fassl gewesen, noch nicht einmal abgefüllt.

00:33:54: Ja, viele Leute haben das so gemacht.

00:33:55: Die haben zwei Kisten subskribiert.

00:33:59: Eine haben sie selbst getrunken und die zweite haben sie verkauft und damit haben sie die Erste finanziert weil diese Weine einfach im Wert su gestiegen sind.

00:34:07: Einer der Fünf war auch Château Lafite.

00:34:11: Und Château Lafite ist vollkommen abgespaced preislich. In der Subskription bereits eine Flasche 1200€.

00:34:16: Das muss man sich mal vorstellen für einen Wein.

00:34:20: Bei diesen premier grands crus classés ist es so, dass die Rieden klassifiziert sind.

00:34:25: Das heißt dieses Château kann nicht einfach sagen, naja dann bau ich da halt ein bisschen aus.

00:34:30: Bau ich da drüben auch noch ein paar Reben an.

00:34:32: Geht nicht!

00:34:33: Es ist nämlich genau eingegrenzt.

00:34:35: D.h.,

00:34:35: das ist nicht vermehrbar.

00:34:37: Du kannst das nicht hochskalieren, dieses Ding.

00:34:39: Es gibt so viele Flaschen und nicht mehr.

00:34:42: Und zu der Zeit ist auch China bisschen so gekommen.

00:34:46: In China, wenn da war's Sitte... Sagt man mir, ich habe es nicht aus eigener Hand erfahren.

00:34:52: Bei einem guten Geschäftsabschluss gibt's eine Flasche Château Lafite.

00:34:56: Warum Château Lafite?

00:34:58: Weil auf dem Etikett rein zufällig, der Chinese trinkt den Rotwein ja mit Cola sagt man.

00:35:04: Aber rein zufällig ist auf dem Etikett so ein Schiff,

00:35:07: das bringt Glück, so eine Barke und so weiter... Jetzt schenkt sich der Chinese einen Château Lafite.

00:35:14: Und jetzt gibt's aber nicht viel, es gibt aber viele Chinesen.

00:35:17: Und jeder Chinese will so eine Flasche, jetzt ist das natürlich irrsinnig teuer geworden!

00:35:23: So, das ist die Geschichte vom Wein.

00:35:25: Ich hab dann irgendwann aufgehört mit der Geschichte vom Wein weil es geht auch auf die Substanz.

00:35:30: Die innere Organe stehen nicht ewig so zur Verfügung dass man das alles verkraften könnte.

00:35:37: Uhren waren für mich eine andere Geschichte.

00:35:41: Ich habe mir einfach gedacht, soll ich es jetzt mal wagen und von diesem erspartem Geld in 2014, Geld auszugeben für eine Uhr, für etwas so sinnloses wie eine Uhr, weil es gab bereits das Handy zum Beispiel.

00:35:58: Und ich bin damals zu meinem Geschäftsführer gegangen und der hat auch schon so eine Uhr gehabt und die hat mir gefallen,

00:36:02: und hab ihn gefragt, wo haben Sie denn die Uhr her?

00:36:05: Ja, also da gehst du zum Mikkel in die Wollzeile, sagst du kommst von mir, kriegst ein paar Prozente, kaufst eine Uhr. Und dann schaue ich in die Auslage und sehe die wunderschönste Uhr der Welt.

00:36:16: Und sage, die will ich, die Uhr.

00:36:17: Na die kostet 2500€ und ich habe es dann um 2000€,

00:36:21: hab mich irrsinnig gefreut, was ich da jetzt für einen Schnitt gemacht hab.

00:36:24: Hab mir die Uhr gekauft!

00:36:26: So hat das begonnen...und ich habe die Uhr längere Zeit getragen.

00:36:34: Dann bemerkt, ich hab mir die Falsche gekauft.

00:36:37: Weil die Uhr hat 15 Millimeter Höhe gehabt, ich habe es nie unter die Hemdmanschette gescheit gebracht.

00:36:43: Jetzt hat sie immer vorne rausgeschaut, ich hab das von unseren Beratern auch gekannt dass die Uhren, weil sie besonders protzige Uhren brauchten, aus der Manschette rausschauen, weil sie es nicht drunter bringen.

00:36:54: Und für mich hat das aber immer so ausgeschaut, als ob er das Hosentürl offen hätte und irgendwas raushängt und das nicht zu bringt.

00:37:01: So eine Uhr wollte ich eigentlich nicht haben!

00:37:04: Jetzt bin ich noch einmal zum Mikkel gegangen und habe gesagt, ich hab mir die Falsche gekauft, nehmen Sie die zurück, sagt er nein, die nimmt er nicht zurück.

00:37:09: Weil wenn man so eine schöne Uhr hat, kann man sie nicht zurücknehmen.

00:37:12: Ich habe gesagt, na gut, ich kauf eine andere, eine flachere, die man zu einem Anzug tragen kann.

00:37:18: Dann hab ich mir dann so eine gekauft und die ist dann auch klaglos unter die Manschette und so weiter

00:37:22: gerutscht.

00:37:24: Und dann hat's ja auch die Sache mit den Foren schon gegeben!

00:37:28: Mit Uhrenforum und da hab' ich mich angemeldet und hab' gelesen und hab mich ein bisschen eingelesen und hin und her.

00:37:34: Und bin da so ein bisschen reingekippt in die ganze Sache.

00:37:39: Ich muss aber eines sagen, dass, ich habe Uhren dann auch in der Kontemplation als etwas anderes wahrgenommen.

00:37:49: Nicht als reine Zeitanzeiger sondern eigentlich muss man sagen, der Grund warum wir zwei heute zusammensitzen, ist dass irgendwer eine Uhr erfunden hat. Weil sonst hätten wir uns den Termin nicht ausmachen können.

00:38:04: Wenn du sagst, "geh bitte besuch mich wenn die Sonne die Tanne am Gipfel berührt" dann hätte ich mir das in Oberwart ausmalen können wann das sein kann.

00:38:16: Das heißt eine Uhr als unabhängiger Taktgeber unserer westlichen Welt oder mittlerweile der ganzen Welt war die ganze Voraussetzung für Kollaboration, für alles, für Industrialisierung,

00:38:35: für das, dass wir heute in einer warmen Wohnung sitzen können, ist die Voraussetzung der Uhr gewesen.

00:38:41: Also ist die Uhr eigentlich ein Symbol für diese Gesellschaft, die Menschen gebaut haben und man kann jetzt natürlich da,

00:38:54: man kann natürlich jetzt zeitlich zurückgehen,

00:38:56: Uhren gibt es schon seitdem die Menschheit gibt, aber in der Form der Armband-Uhr gibt's das heute noch nicht sehr lange und ja, seitdem trage ich auch die Uhr in dem Bewusstsein.

00:39:07: Und natürlich habe ich darüber hinaus Menschen kennengelernt aus allen Erdteilen, vor allem mit der Corona Phase, wo man sich online treffen hat können. Australier gibt es da, Amerikaner, mit denen man sich da über Uhren verständigt und unterhält.

00:39:22: Es ist einfach ein Hobby!

00:39:24: Es ist nicht wirklich ein Sammeln so dass ich mir da jedes Monat eine Uhr kaufen würde, überhaupt nicht.

00:39:30: Ich habe auch alle, hab genug, also ich brauche nicht mehr.

00:39:34: Wobei, da darf ich kurz unterbrechen oder ergänzen.

00:39:39: Wie wir uns auf diese Podcast-Folgeaufnahme vorbereitet haben, haben wir schon auch sehr stark darüber geredet,

00:39:47: nur rein in Uhren, Luxushandtaschen, Wein zu investieren würdest du jetzt mit deiner Erfahrung nicht empfehlen?

00:39:58: Nein

00:39:59: gar nicht!

00:40:00: Also das habe ich nie gemacht.

00:40:02: Sobald ich das Geld, also sobald ich Geld in etwas Konkretes verwandle, ist das Geld weg und ich überlege mir nicht, ob jetzt dieser Gegenstand den ich gekauft habe über die Zeit mehr wert werden könnte.

00:40:21: Es hat eine Zeit gegeben, der Uhrenhype war auch so während der Corona-Zeit.

00:40:25: Die Leute haben Geld gehabt, weil sie nicht auf Urlaub fahren haben können und wollten sich irgendwas kaufen.

00:40:31: Da hat es eben die Marke Rolex gegeben, die über diese Zeit an Wert gewonnen hat.

00:40:36: Man muss auch schon sagen es gibt Uhren, die als Kunstwerk begriffen werden, also zum Beispiel die Rolex Daytona von Paul Newman, die er von seiner Frau geschenkt gekriegt hat.

00:40:49: Die ist 2020/21 im Auktionshaus Philipps um 17,3 Millionen Euro versteigert worden.

00:40:57: Aber das ist halt diese eine!

00:41:01: Und nicht eine, wo du in die Kärntnerstraße zum Bucherer gehst, und dir eine Rolex kaufst und

00:41:07: dann denkst du, idie behalt ich mir jetzt 10 Jahre, dann ist sie das doppelte wert.

00:41:10: Davon sollte man nicht ausgehen.

00:41:12: Genauso beim Wein nicht.

00:41:16: Dafür sind die Sachen nicht selten genug.

00:41:19: Außerdem gibt's keinen... ist der Markt eng.

00:41:23: Wenn ich Aktie oder Firmenbeteiligung verkaufen will, habe ich den Markt, die Börse und ich kann die von einer Sekunde zum anderen in Geld verwandeln.

00:41:30: Und dieses Geld wieder in was anderes verwandelt.

00:41:33: Das geht bei einer Uhr nicht.

00:41:34: Du musst ja mal einen Käufer finden für eine Uhr

00:41:37: oder für einen Wein.

00:41:38: Danke dass du das sagst weil ich glaube da glauben schon viele Personen, dass sie damit das richtige Investment haben und einem Irrglauben manchmal auch aufsitzen.

00:41:49: Also du hast schon ein Investment in dich selbst aber gemacht, es macht dir Freude, das zu sehen und du hast Freude am Gegenstand.

00:41:57: Das ist alles total okay und das ist auch ein gut angelegtes Geld weil es für dich einfach was ist, was dir Freuden macht.

00:42:05: Aber als Investmentgedanke würde ich davon Abstand nehmen.

00:42:11: Uns läuft die Zeit davon, lieber Wolfgang.

00:42:14: Jetzt haben wir uns erst warm geredet.

00:42:15: Ja

00:42:15: ist ja Wahnsinn!

00:42:17: Ich könnte auch stundenlang weiterplaudern mit dir und... Wir haben gar nicht über euren wunderbaren Vierkanthof geredet, wo ich eigentlich mit dir darüber reden wollte.

00:42:29: Und deswegen kann ich auch an die Hörerin und die Hörer noch einmal hinweisen auf die Folge 8 mit der Monika Keil, wo wir über die Viakanta sprechen.

00:42:38: Ich möchte jetzt tatsächlich zum Abschluss dir eine persönliche Frage stellen weil einfach wir nicht mehr die Zeit dafür haben auf all diese Themen einzugehen.

00:42:48: Jetzt bist du sehr zahlenaffin, sehr analytisch auch.

00:42:53: Und wenn du dein Leben nicht in Zahlen sondern in Entscheidungen messen müsstest auf welche deiner Entscheidungen bist du heute

00:43:08: am meisten stolz?

00:43:10: Außer dass du die Monika geheiratet hast!

00:43:13: Das ist eh klar.

00:43:13: Aber...

00:43:18: Ja also die Entscheidung auf die ich am meisten stolz bin.

00:43:22: So Entscheidungen sind ja immer ein interessanter Moment im Leben, auch wenn du keine Entscheidung triffst wird die Entscheidung für dich getroffen und du weißt ja nie, eine Entscheidung ist ja keine Wahl.

00:43:41: Bei einer Wahl wählst du ja Pizza Margarita oder Pizza frutti di mare, also du weißt ja schon was rauskommt.

00:43:51: Eine Entscheidung kennzeichnet sich für mich dadurch, dass ich es nicht weiß, dass ich im Zweifel entscheide, dass ich im Unbekannten bleibe was rauskommt.

00:44:02: Also insofern hat's wahrscheinlich schon zwei Entscheidungen gegeben, die für mich lebensentscheidend waren, über die ich mich rüber getraut habe, nämlich einerseits nach Wien zu gehen, ohne in Wien irgendeinen Anker, irgendein Job,

00:44:17: irgendwas zu haben.

00:44:20: Und die zweite Entscheidung ist von Wien weggegangen zu sein, weil Wien ist meine große, große, große Liebe.

00:44:29: Das ist der Ort den ich wirklich in Österreich am höchsten schätze.

00:44:34: Und mich von dort verabschiedet zu haben war auch eine große Entscheidung.

00:44:39: Ich bin nur froh, dass ich nicht so weit weg von Wien bin und dass es noch einen Bus gibt der nach Wien fährt.

00:44:46: Der mich immer wieder zurückbringt.

00:44:48: Aber das waren sicher zwei Entscheidungen, ja und natürlich den Job in Wien zu kündigen ohne einen neuen zu haben und 58 Jahre alt zu sein.

00:44:58: Also das ist auch eine Entscheidung die man als Angestellter nicht so einfach trifft, wo man wirklich sagt da geht's auch wieder um sich selbst.

00:45:08: Das waren schwere Entscheidungen, aber es geht im Leben immer weiter.

00:45:16: Es fügt sich auch immer etwas Gutes wieder dazu.

00:45:20: Man kann sich ruhig darüber trauen über Entscheidungen.

00:45:22: Auch wenn man nicht weiß wie's ausgeht – das ist das Kennzeichen von Entscheidungen!

00:45:26: Man lebt weiter und gibt sein Bestes.

00:45:30: Dann wird alles gut am Ende.

00:45:32: Wolfgang, vielen lieben Dank.

00:45:33: Darf ich meine Gedanken aus diesem Gespräch noch einmal zusammenfassen.

00:45:38: Bitte sehr!

00:45:38: Mir hat dieses Gespräch besonders gefallen und es ist auch für mich so hängen geblieben, nicht die Zahlen allein und nicht die Stationen und nicht das was man von außen sieht.

00:45:52: Und doch nehme ich wahr, dir ist nicht vieles nur einfach passiert, sondern du hast jetzt auch ganz klar noch einmal gesagt,

00:46:02: du hast Entscheidungen getroffen und warst auch bereit dafür Verantwortung zu übernehmen. Und ich glaube das unterschätzen wir auch aktuell sehr oft, dass ein Leben nicht nur aus riesigen Momenten besteht, sondern durch viele kleine Entscheidungen, ehrlich zu sich selber zu sein und auch eben die Konsequenzen daraus tragen zu müssen.

00:46:29: Und für mich noch einmal zusammengefasst und lange Rede, kurzer Sinn!

00:46:37: Es geht nicht darum, was man hat sondern darum ob das eigene Leben auch zu einem passt.

00:46:46: Und jetzt noch meine abschließende Frage an dich liebe Hörerin und Hörer: wo in deinem Leben weißt du eigentlich längst, dass du etwas verändern möchtest,

00:47:01: schiebst es aber noch vor dich her?

00:47:05: Nimm diese Frage bitte doch einfach mit!

00:47:08: Vielleicht in den Abend, vielleicht in die nächsten Tage und wenn du spürst, dass dich genau solche Gespräche wie ich das jetzt mit dem Wolfgang geführt habe weiterbringen, dann hör auch in unsere nächste Folge rein, denn bei mir in lange Rede, kurzer Sinn geht es nicht um perfekte Lebensläufe, sondern um echte Lebenswege.

00:47:36: Ich danke dir dass du heute wieder dabei warst und bis bald!

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