Veränderung, Ziele & das Wien Museum mit Christina Schwarz
Shownotes
Über meinen Gast:
Mag. Christina Schwarz ist Geschäftsführerin des Wien Museums, ehemalige Leistungssportlerin, erfahrene Managerin im Gesundheits- und Kulturbereich und eine Frau, die zeigt, was möglich ist, wenn man mutig und authentisch bleibt.
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Kulturtipps & Links:
🏛️ Wien Museum – ein Ort, der Wien kulturell prägt [https://www.wienmuseum.at]
🎭 Mehr über das Haus und aktuelle Ausstellungen [https://www.wienmuseum.at/ausstellungen]
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Welche ungewöhnlichen Wege würdest du gehen, wenn du dich wirklich erlauben würdest?
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Lange Rede, kurzer Sinn geht nach den ersten 10 Folgen in eine kurze, aber wohlverdiente Pause und meldet sich am 10.03. mit neuen Gästen, Herzensangelegenheiten und in alter Frische zurück.
Transkript anzeigen
00:00:10: Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von Lange Rede, kurzer Sinn - Leben, Leute und Liquidität.
00:00:19: Mein Name ist Monika Maximilian und heute habe ich einen Menschen zu Gast, der mein eigenes Leben seit unglaublichen 27 Jahren begleitet.
00:00:31: Eine Frau, die ich nicht nur fachlich, sondern auch menschlich aufrichtig bewundere.
00:00:37: Eine Frau, mit der ich durch Höhen und Tiefen gegangen bin.
00:00:41: Durch Zeiten, in denen wir beide nicht wussten, wo oben und unten ist.
00:00:46: Und die mir immer eines gegeben hat:
00:00:49: Halt, Kraft und das Gefühl, dass wir gemeinsam alles schaffen.
00:00:55: Ich spreche von Magister Christina Schwarz, einer der Geschäftsführerinnen des Wien Museums.
00:01:02: Eine Frau, die mutig genug war, atypische Wege zu gehen, die sich nie klassischen Vorstellungen davon, was eine Frau angeblich kann oder nicht kann, einschränken ließ, die in Männerdominierten Branchen Karriere gemacht hat.
00:01:19: Und die, wie ich als alleinerziehende Mutti eines Sohnes ihren Weg gegangen ist, mit einer inneren Haltung, die ich zutiefst respektiere.
00:01:28: Christina war Leistungssportlerin, Christina hat im Sales- und Finanzumfeld begonnen.
00:01:34: Christina hat große Privatkliniken geführt und deren Umbauprojekte, aber dazu kommen wir noch.
00:01:41: Und heute steht sie an der Spitze eines Hauses, das Wien kulturell prägt.
00:01:47: Sie ist ein Beispiel dafür, dass Frauen nicht nur mithalten können.
00:01:51: Sie können führen, sie können prägen und sie können neu denken.
00:01:57: Sie können Räume öffnen, in denen vorher keine waren.
00:02:02: Und genau darüber sprechen wir heute.
00:02:05: Über Mut, über Verantwortung, über Karriere und über die Sorgen, die niemand sieht.
00:02:12: Und darüber, wie man sein Leben so baut, dass man am Ende sagen kann, ich bin meinen Weg gegangen.
00:02:24: So schön, dass du da bist, liebe Christina.
00:02:26: Danke, fein, dass ich da sein darf.
00:02:29: Dein Lebenslauf ist so beeindruckend und er liest sich für mich so, dass ich sagen muss, unglaublich, welche Karriere du gegangen bist.
00:02:42: Das ist auch gleich, was ich dich bitten würde, dass du unseren Hörerinnen erzählst, was war dein Weg?
00:02:51: Er hat ja schon auch sehr früh begonnen mit deinem Studium.
00:02:54: Du bist ja auch nach Paris gegangen und hast dort Ausbildung.
00:02:58: Bitte erzähl uns mal, wer ist Christina Schwarz?
00:03:03: Ja, also dann fange ich tatsächlich mal beim Studium an.
00:03:07: Ich hatte zwei Studien, die mich begeistert haben.
00:03:10: Das eine war das Studium der Kunstgeschichte und das andere der Wirtschaft an der WU Wien.
00:03:15: Nach nicht ganz dem ersten Abschnitt des Studiums der Kunstgeschichte habe ich mich dazu entschieden
00:03:22: das Wirtschaftsstudium zu beenden und dem Bereich der Kunst und der Kunstgeschichte als mein Hobby weiter zu führen.
00:03:30: Ich hatte allerdings diesen Bereich immer mehr als ein Hobby in meinem Leben untergebracht.
00:03:38: Und auf das kommen wir dann ein bisschen später noch hinzu.
00:03:42: Also mein Wirtschaftsstudium war fertig, ich bin dann nach Paris gegangen, habe an der HEC studiert, habe kurz überlegt, sogar in Paris sesshaft zu werden, mich aber dann doch entschieden, nach Wien zurückzukehren, auch mit ein bisschen dem Gedanken einer möglichen Familiengründung.
00:03:58: Und da ist mir Wien einfach angenehmer erschienen, das muss man fairerweise sagen.
00:04:05: Habe dann bei Xerox begonnen, war sehr lang
00:04:07: bei Xerox Austria, wo ich dann auch dich kennenlernen durfte, liebe Moni.
00:04:11: Und ja, es hat alles im Leben einen Sinn, das muss man immer sagen.
00:04:16: Hab bei Xerox die verschiedensten Bereiche gemacht, du hast es schon erwähnt, Sales und Finanzen hauptsächlich.
00:04:23: Ich bin dann zum größten Vertriebspartner von Xerox gewechselt und habe dort den Vertrieb, das Controlling und die gesamte Struktur des Unternehmens aufgebaut und begleitet mit Vertriebsteuerungssystemen zum Beispiel
00:04:37: aber auch den ganzen finanziellen Rahmen gemanagt.
00:04:42: Danach war es Zeit für eine Veränderung.
00:04:45: Mein Sohn war dann schon zehn Jahre alt und ich habe mir gedacht, das kann jetzt nicht alles gewesen sein.
00:04:54: Es muss etwas Neues her.
00:04:56: Und bin in dem Bereich der Privatklinik Döbling eingetreten und war dort der Verwaltungsdirektorin.
00:05:03: Das war natürlich ein völlig neues Umfeld.
00:05:07: Also von Printern und Kopiermaschinen und EDV-Lösungen in das Gesundheitswesen, in dieses Spitalswesen.
00:05:15: Das war sehr, sehr, sehr spannend und habe dort fünf Jahre lang also nicht nur den Verwaltungsbereich geleitet, sondern auch mehrere Umbauprojekte.
00:05:25: Einen Umbau im laufenden Betrieb zum Beispiel, was sehr herausfordernd ist in einer Privatklinik, aber auch Neu- und Zubauten.
00:05:34: Habe dort die Liebe zu Bauprojekten bekommen, weil das ist wirklich etwas grandios Spannendes und auch das Bewusstsein, dass ein Bauprojekt dann ein gutes Bauprojekt ist, wenn der Bauherr oder die Bauherrin einfach wirklich ganz, ganz tief drinnen und dabei ist.
00:05:51: Wir konnten alle unsere Projekte erfolgreich abschließen.
00:05:56: Ich wurde dann vom Rudolfinerhaus angesprochen, ob ich dort meine Karriere weiter machen möchte.
00:06:03: Es war gar keine leichte Entscheidung, habe mich dann entschieden, es zu wagen, weil es einfach wieder eine neue Herausforderung war und da war dann tatsächlich nur ein Jahr im Rudolfinerhaus.
00:06:16: Warum das? Nicht
00:06:17: weil es mir dort nicht gefallen hätte, sondern weil etwas ... völlig unerwartetes und spannendes auf mich zugekommen ist, nämlich es gab die Ausschreibung zur Finanzdirektorin des Wien Museums.
00:06:31: Für mich war das die Möglichkeit, einfach den Bogen über meine zwei Leidenschaften zu spannen und meine Liebe zur Kunst und Kultur und meine Management und Organisationsqualitäten hier zu verbinden.
00:06:46: Hab mich mit nicht sehr großen Hoffnungen beworben, muss ich ehrlicherweise sagen, aber es musste sein.
00:06:51: Und es ist dann auch zustande gekommen und bin jetzt seit fast zehn Jahren im Wien Museum und hatte dort wirklich die große Chance und das große Glück mit einem super Team und gemeinsam mit einem kongenialen zweiten Geschäftsführer hier dieses Haus auf völlig neue Beine zu stellen.
00:07:11: Wir haben einen riesen Umbauprojekt zu stemmen gehabt und das Ganze muss man auch sagen in Zeiten von Covid, in Zeiten von Energiekrise, in Zeiten von Explosionen am Bau und konnten dieses... Projekt,
00:07:26: es ist schier unglaublich, in dem vorgegebenen Budget und im Zeitrahmen fertigstellen.
00:07:34: Das heißt, wir haben hier sämtliche Vorgaben einhalten können und haben jetzt ein Haus, das einfach fantastisch ist.
00:07:41: Die Besucherzahlen sind von 130.000 Personen pro Jahr auf 650.000 BesucherInnen pro Jahr gestiegen.
00:07:49: Und ich glaube, wir haben dort einen Ort geschaffen, der wirklich für eine pluralistische, offene und unglaublich interessante Gesellschaft steht.
00:08:00: Vielen lieben Dank.
00:08:01: Und ja, ich war ja schon Besucherin des Wien Museums und ich kann es nur wirklich jedem ans Herz legen, dieses wunderschöne Haus zu besuchen.
00:08:11: Es ist einfach beeindruckend, was ihr da gemeinsam erschaffen habt.
00:08:16: Für mich ist es ein Erschaffen.
00:08:18: Und vielen Dank dafür, dass du unseren Hörerinnen wirklich auch den Eindruck deines Karrierewegs gegeben hast.
00:08:25: Aber hier möchte ich auch ganz bewusst ein bisschen zurückgehen,
00:08:30: nämlich deine Leidenschaft zur Kunstgeschichte, wo du ja das Studium auch angefangen hast, aber dich dann doch für das Wirtschaftsstudium entschieden hast.
00:08:39: und natürlich als Finanzlerin interessiert mich das ganz besonders.
00:08:43: Warum?
00:08:44: Naja, das ist eigentlich aus einem recht profanen Grund, weil das Studium soll ja dann die Basis fürs Berufsleben sein und nicht, dass mich jetzt Kunstgeschichte nicht interessiert hätte, aber ich habe mir dann schon gedacht, aus auch meinem unbändigem Wunsch für Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, dass ich mit einem Wirtschaftsstudium mehr Möglichkeiten haben werde, dass ich mehr Choice haben werde.
00:09:12: Ich bin nie jemand, der sehr sehr langfristig plant, weil das Leben stellt einen plötzlich Dinge vor die Tür und dann muss man entscheiden, wie man damit umgeht.
00:09:21: Aber für mich war das Wirtschaftsstudium das breiter aufgestellte und das Studium, dass mir mehr Möglichkeiten für eine spätere auch finanzielle Unabhängigkeit gibt.
00:09:32: Das heißt, verstehe ich das richtig,
00:09:34: es war schon auch immer für dich wichtig, breit aufgestellt zu sein, sehr wohl auch Ausbildungen in Anspruch zu nehmen, die einfach mehr Opportunitäten bieten.
00:09:48: Und ja, Geld war da auch ein Thema für dich.
00:09:53: Habe ich hier mehr Möglichkeiten oder bin ich vielleicht, bitte korrigier mich, wenn ich das falsch interpretiere, durch ein Studium der Kunstgeschichte ein bisschen eingeschränkter?
00:10:07: Oder?
00:10:07: Ja, das Wort eingeschränkt würde ich vielleicht nicht so verwenden, aber du hast schon das richtig erkannt.
00:10:12: Ich würde es in die andere Richtung argumentieren, dass Wirtschaftsstudium gibt breitere Möglichkeiten.
00:10:18: Also das war mein damaliger Gedanke.
00:10:22: Und ja, ich, vor allem als Frau, ist das Thema der wirtschaftlichen Unabhängigkeit einfach ein sehr großes.
00:10:30: Ich hatte auch das Beispiel einer sehr unabhängigen Mutter, die auch in den 70er Jahren schon einer selbstständigen Tätigkeit nachgegangen ist, was einfach ungewöhnlich war.
00:10:41: Und für mich war ganz, ganz, ganz klar, ich werde mein ganzes Leben lang arbeiten und ich werde mein ganzes Leben lang selber für mich sorgen können.
00:10:50: Auf das Thema kommen wir auf jeden Fall noch zu sprechen.
00:10:54: Hier möchte ich aber kurz zur Mama nachhaken, bitte.
00:10:58: War die Mama für dich so ein Vorbild auch in dieser Unabhängigkeit?
00:11:03: Also ja, ganz bestimmt.
00:11:05: So kann man das schon sagen.
00:11:06: Sie war nämlich ein Vorbild dahingehend, dass sie ihren Weg gegangen ist, das auch für sie ganz klar war, dass ihr Berufsleben auch Teil ihres persönlichen Erfolges ist, neben einer Familie mit zwei Kindern.
00:11:21: Ich habe auch noch eine Schwester.
00:11:23: Und dass man das auch sehr, sehr gut vereinbaren kann, wenn man will und wenn man aber auch bereit ist, hier gewisse Dinge sich aufzubürden.
00:11:33: Da geht es sehr stark um Organisation, da geht es auch um Disziplin, da geht es um einen sehr starken Willen und das habe ich da schon so ein bisschen, wie man sagt, mit der Muttermilch mitbekommen.
00:11:44: Ja und das kann ich nur bestätigen, weil ich kenne dich ja schon 27 Jahre und die Disziplin ist ja etwas, was dich aus meiner Sicht auch sehr ausmacht.
00:11:53: Die Disziplin ist für mich auch das, was ich wahrnehme, was außergewöhnlich ist.
00:11:59: Hat das etwas mitb dem zu tun, dass du Leistungssportlerin warst, bitte, nimm uns auf diese Reise mit
00:12:07: deines Sportes, Sport ist dir ja noch immer sehr, sehr wichtig und ich bewundere dich jedes Mal, wie du das in deinen wirklich vollen Terminkalender unterbringst.
00:12:18: Bitte erzähl uns einmal da, ob da deine, ich nenne es jetzt einmal, innere Haltung diszipliniert sein zu müssen,
00:12:26: ob das von dort kommt?
00:12:28: Ganz bestimmt auch, weil dort habe ich es auch gelernt, weil ich war immer ein Mensch, der sehr, sehr viele Interessen hatte.
00:12:36: Ich bin auch sehr gerne ausgegangen.
00:12:38: Aber es war ganz klar, wenn das Training anberaumt war, dann war ich dort und dann musste auch alles funktionieren.
00:12:45: Das heißt, auch wenn ich mal länger unterwegs war, war völlig klar, dass es keine Ausreden gibt, dass man nicht auf das Training dann verzichtet, sondern man geht dorthin, weil man hat sich dort committet.
00:12:56: Man tut es.
00:12:58: Und was auch dazu kommt, ist gerade im Tennis, ich bin zwar eher eine Singlespielerin, wie man so schön sagt, habe auch sehr, sehr, sehr viele Jahre Mannschafts-Tennis gespielt.
00:13:10: Das heißt, hier lernt man auch, dass man Teil eines Teams ist und dass das Team wirklich nur so stark ist wie die Summe der Teile.
00:13:17: Und das ist schon auch eine sehr lehrreiche Geschichte gewesen, hier zu schauen.
00:13:23: Nicht nur, dass man seine eigenen Spiele gewinnt, sondern wie schafft man es, dass die Mannschaft als Mannschaft erfolgreich ist.
00:13:30: Und
00:13:30: das ist ja auch etwas... Ich habe zwar so viele Fragen vorbereitet, aber das Gespräch ist so interessant und wir haben uns ja darauf immer schon comittet,
00:13:39: selbst wenn wir jetzt hier im Podcast sein werden, werden wir das wie immer mit einem plaudern und einem Gespräch
00:13:46: bei Kaffee, Kuchen steht dort auf der Seite führen.
00:13:51: Und ich tue mir natürlich in dieser Podcast Folge so leicht, weil wir uns wirklich gut kennen.
00:13:57: Und dieser Teamgeist, der hat dich ja schon immer ausgemacht.
00:14:02: Und ich kann mich auch noch an unsere gemeinsamen Projekte bei der Xerox erinnern, dass wir schon auch daran gemeinsam gearbeitet haben, Ausschreibungen zu gewinnen.
00:14:14: Dass du mit mir am Tisch gesessen bist und wir kalkuliert haben.
00:14:19: Wie bieten wir das dem Kunden auch dementsprechend an?
00:14:23: Und an diese Zeit kann ich mich so erinnern. Immer, wenn wir eine Ausschreibung gemeinsam gewonnen haben, was so ein riesiger Erfolg für uns beide, das gemeinsam geschafft zu haben.
00:14:34: Und das zieht sich aber egal, was du gemacht hast.
00:14:39: Und für mich ist das so außergewöhnlich, weil du doch für mich immer an der Spitze stehst, noch immer und immer gestanden bist,
00:14:49: aber
00:14:50: auch heute noch, wenn du mir über das Wien Museum erzählst, natürlich reden wir auch privat über das Wien Museum, wir reden über Mitarbeitende, dass dir so wichtig dieser Teamgeist ist.
00:15:03: Warum ist dir das so wichtig?
00:15:06: Das ist mir sehr, sehr wichtig, weil egal welches Unternehmen man führt, ganz, ganz wichtig ist, dass jeder Mitarbeiter, jede Mitarbeiterin sich dem ganzen committed fühlt.
00:15:18: Das heißt, jede Einbindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen ist unglaublich wichtig.
00:15:23: Man bekommt wahnsinnig viel heraus aus ihnen.
00:15:25: Jeder hat ganz, ganz spezielle Stärken und wenn man in der Lage ist, diese zu erkennen und diese auch zu unterstützen, dann kommen einfach unglaubliche Teamleistungen zustande, die dann am Ende des Tages der Institution zugutekommen.
00:15:41: Und das ist ganz, ganz wichtig.
00:15:43: Wie darf ich mir das vorstellen?
00:15:45: Habt ihr gerade im Wien Museum,
00:15:48: erklär mir das bitte noch einmal ganz kurz.
00:15:50: Da gibt es so viele Mitarbeitende.
00:15:53: Habt ihr da Jour fixe?
00:15:54: Oder wie versuchst du deine Mannschaft oder dein gesamtes Team unter Dach und Fach zu bringen, an einem Ziel zu... Wie gelingt ihr das?
00:16:08: Wir halten sehr viel von klarer Kommunikation, von offener Kommunikation, von Transparenz.
00:16:15: Du hast das Wort Jour fixe angesprochen.
00:16:16: Wir sind eine sehr flach organisierte Institution und wir haben tatsächlich wöchentliche Jour fixe mit sämtlichen unserer Abteilungsleiter und Leiterinnen
00:16:27: und auch mit den einzelnen Mitarbeitern nämlich auf projektbezogener Basis.
00:16:33: Das heißt, wenn wir einzelne Projekte haben, werden alle, die betroffen sind, eingebunden und hier wird regelmäßig immer auf persönlicher Ebene gesprochen, diskutiert, oft auch kontroversiell, das muss sein,
00:16:45: um dann zu einer guten gemeinsamen Lösung zu kommen.
00:16:48: Also sehr, sehr viel Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation.
00:16:53: Das heißt, du siehst den Schlüssel des Erfolges im miteinander reden, oder?
00:16:58: So
00:16:58: einfach es klingt, das ist oft nicht so einfach, aber man bemüht sich.
00:17:03: Bewundernswert und ich stimme dir vollkommen zu, dass man sagt, durch das miteinander reden und es... darf ja auch diskutiert werden und der Respekt sollte nicht verloren gehen, auch wenn man eine andere Meinung ist, oder?
00:17:18: Absolut.
00:17:20: Es muss sogar diskutiert werden, denn ich habe nie den Anspruch gestellt, allwissend zu sein.
00:17:25: Ein Geschäftsführer ist per se nicht allwissend und es ist ganz, ganz wichtig, eben hier das Know-how, die Stärken und die Erfahrungen aller Mitarbeitenden einzubeziehen und auch zu lernen.
00:17:37: Jeder Tag ist ein Tag, an dem man etwas lernen kann.
00:17:40: Diese Einstellung mag ich, weil die teilen wir ja auch seit Jahren, dass wir uns jeden Tag aufs Neue, jede Minute aufs Neue weiterentwickeln dürfen, oder?
00:17:52: Wir haben viele Hörerinnen, weibliche Hörerinnen und das ist mir ganz besonders ein wichtiges Thema mit dir darüber zu reden, weil wir ja doch in Männerdominierenden Branchen gearbeitet haben, wie bei der Xerox.
00:18:07: Ich glaube, wir waren vier Frauen, oder?
00:18:09: Also gefühlt vier Frauen.
00:18:13: Und das war für mich damals.
00:18:15: Ihr solltet es auch wissen, die Christina und ich sind gleich alt.
00:18:19: Und wir haben im selben Monat Geburtstag und wir feiern auch jedes Jahr unseren Geburtstag gemeinsam.
00:18:25: Aber als junge Frau habe ich mich dort auch oft einsam gefühlt, auch unverstanden gefühlt.
00:18:33: Ich weiß nicht, wie es dir da gegangen ist.
00:18:36: Wie hast du das empfunden?
00:18:38: Oder wie empfindest du es heute?
00:18:40: Weil auch jetzt erzählst du mir so oft, sitzt du als einzige Frau in einem Meeting nur lauter Männer.
00:18:48: Ja, das war für mich eigentlich nie ein Thema, denn ich gehöre zu den Menschen, die hier keinen Unterschied machen.
00:18:54: Leider Gottes habe ich natürlich auch immer wieder und bis heute Situationen erlebt, wo eine Frau es einfach schwerer hat.
00:19:03: Und mein Appell ist hier, niemand soll sich dadurch beirren lassen, jeder soll authentisch seinen Weg gehen.
00:19:11: Bis heute ist es so, dass eine Frau, die Kinder hat, eigentlich nicht optimal im Beruf ist und eine Frau, die keine Kinder hat, eigentlich keine richtige Frau ist.
00:19:20: Beziehungsweise, das Wort Rabenmutter ist mir sehr oft auch untergekommen, weil ich immer vollzeit berufstätig war neben... eben der Erziehung meines Sohnes.
00:19:31: Das ist sehr, sehr schwierig und leider Gottes in unserer Gesellschaft bis heute verhaftet.
00:19:35: Das ist ein sehr großes Problem und ich versuche seit Jahrzehnten dagegen anzukämpfen und allen Frauen hier Mut zu machen, sich dadurch nicht beirren zu lassen, den Weg zu gehen, wenn man daran glaubt und wenn man hier das Gefühl hat, dass es einem gut tut und dass es wichtig ist, dann ist es für mich eine Verpflichtung aus meiner Position heraus, anderen Frauen wirklich Bestärkung und Mut zu geben, den Weg zu gehen.
00:20:01: Ich finde es bewundernswert und das ist auch meine nächste Frage.
00:20:06: Du und ich waren ja alleinerziehend oder sind alleinerziehende
00:20:09: Mütter gewesen.
00:20:11: Wie hat sich dieser Aspekt auf deine Entscheidungen ausgewirkt, besonders dann, wenn es um Karrierewechsel geht.
00:20:18: Kannst du hier konkrete Situationen schildern, in denen du gesagt hast, jetzt oder nie?
00:20:24: Naja, jetzt oder nie, in dem Sinn fällt mir da ganz ehrlich keine ein, denn die Dinge haben sich ergeben und ich konnte die Entscheidung treffen, mache ich es oder mache ich es nicht.
00:20:40: Und tatsächlich beim Wien Museum war es so eine jetzt oder nie Geschichte, weil das ist der absolute Traumjob, das muss ich sagen.
00:20:51: Und davon gibt es nicht sehr viel auf dieser Welt.
00:20:53: Das heißt, da ging es mir wirklich dann schon darum, je näher es zu den Hearings kam, da wollte ich das dann einfach wirklich schaffen.
00:21:04: Dazu gratuliere ich dir auch, weil du hast es hervorragend geschafft und du hast vorher auch schon eingangs gesagt, es hat erstens einmal einer inneren Haltung Bedarf.
00:21:16: Es war unheimlich viel Organisation.
00:21:20: Nimm uns einmal so in einen Alltag mit, als dein Sohn noch kleiner war.
00:21:25: Wie hat das bei dir ausgeschaut?
00:21:28: Naja, wie hat das bei mir ausgeschaut.
00:21:30: Also, 06:20 Uhr der Wecker, dann habe ich mal ich begonnen, meine Dinge zu erledigen.
00:21:35: Dann habe ich meinen Sohn aufgeweckt, habe ihm ein Frühstück bereitet und habe ihn, wir haben damals noch in Niederösterreich gewohnt, er ging in Wien zur Schule, schon in sehr frühen Tagen zur Schule gebracht.
00:21:47: Bin dann im Laufschritt weiter in meinen Job, wo ich dann begonnen habe, habe dort dann den Tag verbracht, meinen Sohn nachher wieder abgeholt.
00:21:59: Ich muss gestehen, das Ganze teilweise auch mit Unterstützung meiner Mutter, mit Unterstützung von Freunden, Freundinnen.
00:22:07: Also wir haben uns das sehr gut auch aufgeteilt.
00:22:10: Ja, dann ging es darum, auch die Freizeit meines Sohnes ein bisschen zu begleiten.
00:22:15: Ich wollte auch, dass er sehr viel Sport macht, beziehungsweise er wollte es selber auch.
00:22:20: Und viele andere Dinge, natürlich musste auch die Schule irgendwo gemanaget werden.
00:22:26: Dann nach Hause, dann vielleicht noch eine kleine Freizeitbeschäftigung, dann das Kind ins Bett und dann habe ich noch den Rest meiner Arbeit fertig gemacht.
00:22:36: Das heißt, war nach der Gute Nacht Geschichte so quasi, die E-Mails.
00:22:42: Und das war Standard.
00:22:44: Und es war ein Standard nicht nur von fünf Tagen, sondern ich kann mich auch erinnern, an einigen Wochenenden.
00:22:50: Es war auch bei dir so, dass man Dinge, Arbeit mit in den Feiertag genommen hat,
00:22:57: weil
00:22:58: man ja alles erledigen wollte, oder?
00:23:01: Absolut, ich muss aber auch gestehen, es hat mich nie gestört.
00:23:04: Das ist eine Lebens- und Arbeitsform, die mir liegt.
00:23:08: Das liegt auch nicht jeden, muss man fairerweise sagen.
00:23:11: Mir liegt es, weil ich hier auch die freie Einteilungsentscheidung dann habe.
00:23:16: Und so schaffe ich es, alles unterzubringen, was ich, und das muss ich auch sagen, auch für mich persönlich gebraucht habe.
00:23:24: Also man kann nur so stark sein, wie man selber stark ist, also für andere.
00:23:30: Und deswegen ist es auch sehr, sehr wichtig und notwendig, Dinge zu tun, die einem selber gut tun.
00:23:37: Dann erzähl uns mal bitte, was sind deine Energiequellen?
00:23:41: Wo lädt du die Batterien auf?
00:23:44: Also, als allererstes lad ich sie in der Oper auf.
00:23:47: Das ist mein absolutes Steckenpferd, seit ich dreizehn Jahre alt bin.
00:23:52: Also Oper, Theater, klassische Musik.
00:23:54: Und hier war es mir immer ganz, ganz wichtig, das nicht zu verlieren.
00:23:58: Und habe immer sehr, sehr viele Vorstellungen besucht.
00:24:03: Das sind dann ein paar Stunden, wo ich für mich war, wo ich wirklich, wie du so schön gesagt hast, Batterien aufladen konnte, mich auch ein bisschen entspannen konnte.
00:24:11: Und für viele ist es anstrengend
00:24:14: am Abend dann noch auszugehen, nach einem doch sehr langen und erfüllten Tag.
00:24:18: Für mich hingegen war es dann die ultimative Entspannung und so habe ich dann wieder diese Freude und dieses Glück mir zurückerobern können, um für die nächsten Tage wieder Energie zu haben.
00:24:31: Das hast du ja noch immer, gell?
00:24:33: Ich muss dazu sagen, es ist ein sehr schönes Ritual geworden seit dem Thomas und ich im Bregenz leben, dass wir gemeinsam die Festspiele Premieren besuchen.
00:24:44: Und Thomas und ich sind immer so fasziniert, weil es ist so eine Angewohnheit, wir treffen uns zum Aperitif.
00:24:53: Dann erzählt uns, bevor die Oper noch startet, die Christina, die Geschichte zu dieser Oper.
00:24:58: Und dann treffen wir uns in der Pause oder auch danach.
00:25:01: Und dann kriegen wir plötzlich auch wieder eine ganz andere Sicht zu Oper.
00:25:06: Und ich muss dir sagen, du hast mir in den letzten Jahren die Oper näher gebracht.
00:25:11: Und es ist jedes Mal ein Genuss, mit dir darüber reden zu dürfen.
00:25:18: Weil ich eher offen gesagt mit Oper
00:25:20: nichts am Hut hatte, bin eher so die Musical und die Operette.
00:25:23: Also die klassische Oper war nicht so ganz meins, aber danke, dass du mir das so näher bringst.
00:25:28: Jetzt sind wir uns doch ganz ehrlich, dieses Leben, das du führst und auch das Leben, das du deinem Sohn ermöglicht hast, darf ich das sagen, du bist in eine Privatschule gegangen, er ist in eine Privatschule gegangen, das kostet ja alles.
00:25:44: Und auch die Hobbys, die du hast, die Reisen, die du tust, auf das kommen wir noch.
00:25:49: Auf deine Leidenschaft zu reisen.
00:25:51: Wie empfindest du Geld für dich?
00:25:54: Was bedeutet Geld für dich?
00:25:59: Das ist so eine schwierige Frage.
00:26:00: Geld bedeutet für mich, wie schon erwähnt, eben Unabhängigkeit in erster Linie, Unabhängigkeit, aber auch die Möglichkeit, Dinge sowohl für mich als auch für Menschen in meinem Umfeld zu ermöglichen.
00:26:19: Natürlich sind Reisen und Opernbesuche, das kostet alles Einiges.
00:26:24: Und dann ist vielleicht etwas anderes nicht möglich, was für andere Menschen sehr, sehr wichtig wäre.
00:26:29: Das ist halt meine Entscheidung gewesen, hier genug Mittel zu haben, um für mich, meine Familie und meine Freunde, ja, möglichst schöne Dinge zu ermöglichen.
00:26:44: War es für dich ein Antriebsfaktor oder quasi diese Dinge ermöglichen zu wollen?
00:26:53: Ein Antriebsfaktor, der ursprüngliche Antriebsfaktor für mich ist immer die Tätigkeit selbst.
00:27:01: Die Tätigkeit selbst, aber das ist jetzt natürlich, wie soll man sagen, das klingt jetzt... ein bisschen eigenartig, weil in den Positionen, in denen ich tätig war, war natürlich die Gehaltssituation eine sehr komfortable und das war schon auch wichtig natürlich, weil dann musste ich mir keine Sorgen machen und dann wusste ich, dass ich alle diese Dinge immer alleine stemmen kann.
00:27:24: Das heißt, das ist schon mit ein Grund gewesen, aber die tatsächliche Motivation war der Inhalt des Jobs und die Möglichkeiten, die ich dort für das jeweilige Unternehmen hatte.
00:27:40: Das kann ich sehr gut nachvollziehen.
00:27:43: Und es ist auch schön, dass es ja aufgeht oder aufgegangen ist und aufgeht.
00:27:50: Und was mich da noch sehr interessiert, du hast ja gerade auch jetzt im Wien Museum als auch in den Krankenhäusern große Umbau- und Veränderungsprozesse gehabt.
00:28:02: Und was war hier die größte Herausforderung?
00:28:05: Und was war dein wichtigstes Learning für Menschen,
00:28:09: die Mitarbeitenden oder die handelnden Personen in die Veränderung führen zu müssen.
00:28:18: Ja, das ist eine sehr, sehr gute Frage, weil das ist, glaube ich, auch eine der... Grundfragen, die sich einem Manager stellen.
00:28:27: Nämlich für einen selber ist ja dieser Change Prozess relativ klar.
00:28:30: Man weiß, wo steht man heute und wo will man in drei Jahren sein.
00:28:33: Das weiß man ganz genau und da gibt es eigentlich kaum Fragen.
00:28:37: Aber dann gibt es sehr, sehr viele Mitarbeitende, die natürlich ihre ureigenen Gedanken, Ängste, Sorgen haben.
00:28:42: Veränderung macht bekanntlich jedem Angst, auch wenn es zum Guten ist.
00:28:46: Das ist so
00:28:48: im Menschen verankert.
00:28:50: Das heißt, hier habe ich wirklich gelernt, wie wichtig es ist, hier sehr stark einzugehen, auf die einzelnen Bedürfnisse, auf die Wünsche, das abzufragen, das zu evaluieren, vielleicht nicht allem zu entsprechen.
00:29:04: Das ist auch nicht die Hauptaufgabe, sondern es aufzunehmen, es anzuerkennen und dann in einem gemeinsamen Dialog hier das Bestmögliche für das große Ganze herauszuholen.
00:29:17: Wunderbar.
00:29:19: Hier möchte ich bitte noch einhaken dürfen, wenn du jetzt an deine Karriere denkst oder überhaupt an Karrieren denkst.
00:29:26: Was würdest du unseren Hörerinnen mitgeben auf dem Weg, wie sie Karriere machen können?
00:29:35: Was ist, ich sage jetzt ganz bewusst, dafür notwendig
00:29:40: um heute Karriere machen zu können?
00:29:43: Also es ist natürlich eine gewisse Grundausbildung ist absolut notwendig.
00:29:47: Also das Werkzeug, um das vielleicht als Beispiel zu nennen, das Werkzeug ist wichtig.
00:29:53: Aber man kann mit dem besten Werkzeug nachher einfach keine guten Dinge tun.
00:29:58: Und deswegen ist ganz, ganz wichtig auch die menschliche Komponente, die, wir haben es vorhin schon besprochen, ein bisschen dieser Teamgedanke und auch das Wissen, dass man einfach in einer Gruppe mehr schafft als alleine.
00:30:16: Das heißt, man hat seine klare Vision, man weiß es, aber es ist ganz, ganz wichtig hier auch hinein zu hören
00:30:25: in die Gedanken der Mitarbeitenden, um dann die Bedürfnisse zu verstehen.
00:30:30: Und wenn man diese Bedürfnisse verstanden hat, dann kann man aus dem tatsächlich einen Entscheidungsfindungsprozess starten, der dann auch alle mit einbezieht, vielleicht nicht alle Wünsche berücksichtigt, aber wenn es klar kommuniziert ist, dann auch erklärbar machen.
00:30:48: Danke dir dafür
00:30:49: Ich frage jetzt einfach, hast du den Eindruck, dass man so eine Karriere, die du hingelegt hast, ja, mit der Einstellung nine to five machen könnte?
00:31:05: Nine to Five, ich kenne das nicht.
00:31:08: Vielleicht, wenn ich die Einstellung Nine to Five so interpretiere, dass man das Notwendigste einfach macht und dann sagt, okay, jetzt ist genug, jetzt habe ich Lust auf was anderes, dann glaube ich nicht, dass man das schaffen kann.
00:31:21: Dann glaube ich das nicht, es gehört schon
00:31:25: ein Wille, diese sogenannte extra Mile, die man ja gerne erwähnt.
00:31:31: Also diese extra Mile ist meiner Meinung nach unglaublich wichtig.
00:31:35: Und ich sehe die extra Mile nicht als Belastung, sondern eigentlich als Weg, um tatsächlich das zu erreichen, was man möchte.
00:31:43: Also die extra Mile ist für mich nicht negativ behaftet, sondern ganz im Gegenteil, sie führt einen dann zu Dingen, die man eben sonst nicht erfahren würde.
00:31:53: Bin ich hundert Prozent bei dir.
00:31:55: Hilf mir noch zu verstehen, hast du für dich immer so ein klares Ziel gehabt?
00:32:02: Ich spinne jetzt einmal.
00:32:04: Ich hatte früher als Beispiel immer das Ziel, ich wollte einmal CEO sein.
00:32:10: Ich wollte einmal Geschäftsführerin sein.
00:32:13: Und das hat mich schon sehr angetrieben.
00:32:16: Mir war von Anfang an klar, ich will an der Spitze sein und nicht aus einem Statussymbol heraus, sondern ich habe mir halt eingebildet, dass ich dort wirklich auch mitwirken kann, dass ich etwas bewegen kann.
00:32:31: Wie war das bei dir?
00:32:32: Das war absolut genau so.
00:32:34: Also ich glaube, ich war zwölf oder dreizehn.
00:32:38: Da war ich mir nicht ganz sicher, ob ich Hoteldirektorin oder Finanzministerin werden möchte.
00:32:43: Naja, ich bin im Endeffekt beides geworden.
00:32:47: Auf eine gewisse Art.
00:32:50: Es war mir schon klar, ich bin jemand, der wahnsinnig viel Energie hat, für manche zu viel.
00:32:57: Aber ich habe immer einen ganz, ganz großen Gestaltungswunsch gehabt.
00:33:01: Ich habe auch den Wunsch gehabt, Verantwortung zu übernehmen.
00:33:04: Ich habe den Wunsch gehabt, Dinge zu verändern.
00:33:07: Da muss man, wie du es erwähnt hast, an der Spitze stehen, weil da hat man dann die Möglichkeiten, das umzusetzen.
00:33:13: Also ja, es war für mich immer ein großes Bedürfnis, ein Unternehmen, eine Institution zu leiten, zu verändern und ja, auch zum Guten zu verändern.
00:33:25: Jetzt frage ich dich von Mutter zu Mutter.
00:33:29: Wie hat das dein Sohn empfunden?
00:33:31: Hast du mit ihm, weil dein Sohn ist ja jetzt auch schon erwachsen, hast du mit ihm jemals über dieses Thema geredet, wie er es empfunden hat?
00:33:40: Das haben wir selbstverständlich öfter besprochen.
00:33:43: Und weil auch wenn man glaubt, das Richtige zu tun, hat man ja immer so ein bisschen ein kleines Teufelchen auf der Schulter sitzen, dass einem sagt, naja, hast du wirklich genug gemacht und hättest du dich nicht noch ein bisschen mehr kümmern können?
00:33:57: Er gibt mir das Gefühl, dass es ihm an nichts gefehlt hat und er weiß auch, wann immer er etwas gebraucht hat, war ich da.
00:34:05: Wir haben sehr, sehr viel gemeinsam unternommen und als alleinerziehende Mutter ist sowieso eine ganz, ganz, ganz spezielle Nähe da
00:34:13: und er sagt bis heute, dass er das eigentlich überhaupt nicht versteht, wie ich das alles geschafft habe, wie ich das alles für ihn auch bewerkstelligt habe.
00:34:26: Er sagt, du warst, du hast mit mir Fußball gespielt, du hast mit mir gelernt, du hast mich getröstet, du hast mich gepflegt, wenn ich krank war, du hast mich überall hingebracht und abgeholt.
00:34:36: Und ja, er sagt er weiß eigentlich nicht ganz genau, wie sich das alles ausgegangen
00:34:42: ist.
00:34:43: Es ist so schön, das wiedergespiegelt zu bekommen.
00:34:46: Und hier
00:34:47: fühle ich dich
00:34:49: so sehr, weil ich mich auch noch so erinnern kann.
00:34:53: Es war wie mein Sohn um die zwanzig war.
00:34:56: Das hat uns ja beide immer verbunden.
00:34:58: Wir haben uns schon manchmal auch als Rabenmütter gefühlt.
00:35:01: Und ich kann mich noch erinnern, wie wir hier in diesem Zimmer auf der Couch gesessen sind und uns die Tränen runtergeronnen sind und auch mein Sohn mir gesagt hat, Mama, ich habe das gar nicht so empfunden, sondern du hast mir die Welt eröffnet.
00:35:18: Und wenn du da warst, warst du wirklich immer präsent.
00:35:23: Und wie er dann auch gesagt hat, es hat kein Wochenende gegeben, wo wir nicht irgendetwas gemeinsam gemacht haben.
00:35:29: Und das schaut mir rinnt die Gänsehaut hat und meine Augen werden glasig dabei.
00:35:34: Weil das ist das Schönste, was hier wiedergespiegelt werden kann von unseren erwachsenen Söhnen.
00:35:39: Empfindest du das auch so?
00:35:41: Absolut.
00:35:42: Bitte lass mich kurz noch auf deine Reiseleidenschaft kommen und du kommst ja gerade wieder von einer Reise aus Asien und Asien hat dich ja schon immer fasziniert, sogar schon als junge Frau.
00:35:57: Was löste diese Asienleidenschaft aus?
00:36:00: Was bedeutet Asien für dich bitte?
00:36:03: Ja, das ist eine ganz spezielle Liebe zwischen mir und Asien.
00:36:08: Ich war das erste Mal vor 35 Jahren in Südostasien und habe, glaube ich, nach drei Sekunden gewusst,
00:36:19: es war 30 Grad und 99% Luftfeuchtigkeit,
00:36:23: und das ist jetzt nicht etwas, was man als besonders angenehm normalerweise empfindet.
00:36:28: Für mich war es die Welt und ich habe gewusst, hier bin ich zu Hause und hier bin ich sicher nicht zum letzten Mal und das hat sich bewahrheitet.
00:36:35: Also kein Jahr darf vergehen, wo ich nicht zumindest einmal in diese Gegend reise.
00:36:43: Das Licht, die Gerüche, die Menschen, die vielen Eindrücke, alte Tempel, moderne Hochhäuser.
00:36:51: Es ist eine Mischung und auch eine... Ein Lebensstil, der mir sehr liegt, der mich beeindruckt und wo ich immer wieder gerne hinfahre.
00:37:01: Bitte hilf mir, weil ich war ja noch nie in Asien, weil du sagst die Menschen und der Lebensstil.
00:37:07: Wie beschreibst du das für dich?
00:37:09: Wie nimmst du das für dich wahr?
00:37:11: Das ist wirklich, wie schon gesagt, sehr schwer zu beschreiben.
00:37:15: Das ist sehr stark auf emotionaler Ebene.
00:37:17: Diese Wahrnehmung ist emotional im Sinne von einem Wohlfühlmoment.
00:37:24: Ich hatte niemals, nicht eine einzige schlechte Erfahrung.
00:37:27: Ich wurde egal wo ich hingekommen bin und das waren auch wirklich die einfachsten Gegenden in denen ich damals noch mit Rucksack bewaffnet getrampt bin.
00:37:36: Ich bin immer unglaublich offen empfangen worden auch mit sehr viel Neugierde.
00:37:41: Ich war oft die erste europäische Person, die da in ein Bergdorf gekommen ist. Da sind Kinder gekommen, die wollten meine Haare angreifen, weil sie so etwas noch nie gesehen haben und haben mich ganz verstohlen angeschaut.
00:37:55: Aber nie
00:37:56: mit Abwehr und nie negativ, sondern immer auf eine unglaublich freundliche und positive Art und Weise.
00:38:02: Und ich kann von all diesen Reisen, die mich auch in Länder geführt haben, die damals noch militärgeführt waren, wo viele gesagt haben, bist du wahnsinnig dorthin zu reisen.
00:38:14: Ich bin immer aufs äußerst positive und sehr offen empfangen worden.
00:38:20: Das hat dich so fasziniert, wobei man aber auch sagen muss, du bist per se eine sehr wertschätzende, sehr freundliche, sehr respektvolle Person.
00:38:32: Und das, was ich wirklich bestätigen kann, für dich zählt nicht der Titel, für dich zählt einfach der Mensch.
00:38:39: Und diese Bodenständigkeit ist etwas, was dich so besonders macht, weil wir kennen es ja auch anders.
00:38:48: Wir beide haben das ja auch schon erlebt, dass immer auf den Titel herum geritten wird und auf die Position.
00:38:54: Das haben wir beide bei der Xerox erlebt, bei einigen Führungskräften.
00:38:57: Das bedeutet, diese Freundlichkeit hast du aber für mich immer schon in dir.
00:39:04: Ja, also das muss ich ganz bewusst sagen.
00:39:07: Ich möchte auch noch fragen, man hört ja in der Business Welt immer das Wort Risiko.
00:39:14: Was war für dich das größte Risiko, das du genommen hast in deiner Empfindung, in deinem Leben?
00:39:24: Naja, also um wieder auf das Umbauprojekt Wien Museum zurückzukommen, das war tatsächlich jetzt rückblickend gesehen
00:39:33: ein Risiko.
00:39:34: Ich habe es zu dem damaligen Zeitpunkt gar nicht als Risiko erkannt.
00:39:38: Aber es war ein Risiko, die Bauherrschaft zu reklamieren, dieses Projekt umzusetzen.
00:39:45: Natürlich zum damaligen Zeitpunkt überhaupt nicht wissend, dass eine Pandemie auf die ganze Welt zukommt, dass die Ukraine Krise auf uns zukommt.
00:39:53: Das heißt, rückblickend war das Unterfangen sehr riskant.
00:39:59: Und umso glücklicher sind wir, dass es gut ausgegangen ist.
00:40:03: Das ist wunderschön ausgegangen, wobei ich ja auch immer wieder dazusagen muss,
00:40:08: ich wusste nicht, dass so viele andere Museen noch zum Wien Museum gehören.
00:40:13: Also durch dich lerne ich immer so viel mehr.
00:40:18: Es ist wirklich fantastisch zu sehen.
00:40:21: Ich möchte jetzt wirklich mal bitten von deiner Seite her, bevor wir zur abschließenden Frage kommen, wenn du einem jungen Menschen etwas auf den Weg mitgeben könntest,
00:40:33: was wäre das so?
00:40:35: Ja, was würde ich einen jungen Menschen mitgeben?
00:40:38: Also auf jeden Fall einmal wirklich zu überprüfen, wo sind die Leidenschaften?
00:40:44: Wo sind die Interessen?
00:40:46: Wo sind die Stärken?
00:40:48: Was möchte ich in meinem Leben tun und zwar auf der einen Seite, um ein wirtschaftlich erfolgreiches Leben zu führen, aber auch um ein persönlich erfolgreiches Leben zu führen.
00:41:01: Das heißt, man muss nicht die Ordination des Vaters übernehmen, wenn man das selber nicht machen möchte.
00:41:10: Man muss auch nicht die Firma der Familie übernehmen, wenn man das selber nicht machen möchte.
00:41:15: Natürlich ist es für andere Menschen ganz praktisch.
00:41:19: Aber ganz wichtig ist, das zu tun, was einen antreibt, was einem wichtig ist.
00:41:24: Und dann es aber so zu tun, dass man authentisch bleibt, dass man am Boden bleibt, dass man wirklich Rücksicht nimmt auf das Umfeld und dass man die Dinge nicht für sich selber tut, sondern für das Unternehmen oder für das Projekt
00:41:42: für das man verantwortlich ist.
00:41:45: Einfach wunderbar.
00:41:46: Das bedeutet, verstehe ich dich da richtig, das Ego auch ein bisschen zurückzusetzen, oder?
00:41:52: Absolut.
00:41:53: Kann man das so sagen?
00:41:55: Gut, dann habe ich das richtig verstanden.
00:41:57: Und jetzt möchte ich dir noch meine abschließende Frage stellen.
00:42:01: Welche Wahrheit über das Leben hast du für dich entdeckt, die dir heute mehr Ruhe gibt als jeder Plan?
00:42:11: Ja, die Wahrheit über das Leben, die mir Ruhe gibt.
00:42:14: Ja, es gibt mir Ruhe zu wissen, dass ich keine offenen Rechnungen habe und zwar jetzt nicht im Sinne von finanziellen Rechnungen, ich rede nicht von Stromrechnungen und Strafzetteln, sondern dass man Dinge klärt, dass man Dinge nicht unausgesprochen lässt, dass man im Reinen sein muss mit sich und seiner Umwelt.
00:42:35: Das ist eine unglaublich wichtige Tatsache.
00:42:37: Es gibt so viele Dinge, die man nicht beeinflussen kann.
00:42:41: Und über die soll man sich auch nicht aufregen.
00:42:44: Dinge, die man in keiner Weise verändern kann, die haben eigentlich nichts beim Nachdenken verloren, sondern dass man da, wo man etwas tun kann,
00:42:54: und wenn es auch nur ein ganz kleines Stück weit ist, das soll man tun, das muss man tun, da darf man nichts auslassen.
00:43:01: Und hier muss man sich selber immer treu bleiben.
00:43:03: Und wenn man sich selber immer treu bleibt, dann hat man auch eine gewisse Ruhe.
00:43:09: Wunderbar, einfach wunderbar.
00:43:11: Und da kann ich noch sehr viel von dir lernen.
00:43:16: Nicht über Dinge nachzudenken, ich sage immer gerne, Hirntschechern, die ich nicht beeinflussen kann.
00:43:22: Also da bist du mir ein ganz ein großes Vorbild.
00:43:26: Wobei nachdenken kann man ruhig darüber.
00:43:29: Das soll man sogar.
00:43:30: Ich möchte nicht missverstanden werden.
00:43:32: Aber dann darf man nicht frustriert sein, wenn man sie eben tatsächlich nicht verändern kann.
00:43:39: Christina, darf ich für mich zusammenfassen?
00:43:41: Ist das okay?
00:43:43: Bitte schön.
00:43:44: Für mich hast du einfach wieder aufgezeigt, dass Mut wirklich ein trainierbarer Muskel ist.
00:43:52: Und je mehr man bereit ist, Dinge zu verändern, Dinge in Angriff zu nehmen, Dinge anders zu sehen, desto größer wächst dieser Muskel.
00:44:02: Was du mir auch in diesem Gespräch aufgezeigt hast, dass Karriere auch dann möglich ist
00:44:08: wenn der Weg holprig,
00:44:11: untypisch
00:44:12: oder auch unbequem ist.
00:44:14: Und dass Frauen sich nicht entschuldigen müssen, wenn sie groß denken.
00:44:20: Und dass Führung mehr als ein Titel ist.
00:44:23: Es ist eine innere Haltung, es ist Verantwortung und es ist ein ständiges Entscheiden, wen nehme ich in diesem Boot mit.
00:44:34: Und es zeigt für mich ganz besonders, dass es auch möglich ist, als alleinerziehende Mama diesen Weg zu gehen und Geld als ein Symbol der Freiheit zu sehen, Freiheit nämlich zu führen und die Freiheit zu leben, so wie man es selber möchte und wie man es für sein Kind haben möchte.
00:44:57: Bist du so mit dieser Zusammenfassung d'accord?
00:45:00: Ja, du scheinst mich doch zu kennen.
00:45:03: Das hoffe ich sehr nach den 27 Jahren.
00:45:07: Ich danke dir so sehr.
00:45:09: Du hast so einen wunderbaren Einblick gegeben in deine Welt, aber auch so wichtige Impulse
00:45:18: in welche Richtung man gehen kann und welche Entscheidungen man treffen kann
00:45:22: und ich liebe es, wie authentisch du bist und dass du für so viele Frauen auch ein Vorbild bist und in sehr vielen Dingen auch für mich ein Vorbild bist und für mich eine ganz besondere Freundin.
00:45:36: Und du hast mir versprochen, du bleibst bis an mein Lebensende an meiner Seite.
00:45:42: Ja und was man verspricht, das hält man
00:45:43: auch.
00:45:44: Ich danke dir
00:45:46: irrsinnig,
00:45:47: dass du da warst.
00:45:48: Ich weiß, was deine Zeit bedeutet.
00:45:51: Diese kostbare Zeit mir geschenkt hast in unserem Gespräch.
00:45:56: Und jetzt möchte ich zum Abschluss noch unbedingt eine Frage an unsere Hörerinnen hinterlassen.
00:46:03: Nämlich, stell dir doch bitte die Frage, welche Version von dir selbst würdest du sein, wenn du dir erlauben würdest, ungewöhnliche Wege
00:46:15: zu gehen?
00:46:16: Bin schon gespannt auf deine Kommentare und was es in dir auslöst.
00:46:21: Und jetzt zum Abschluss habe ich wirklich eine besonders persönliche Bitte an dich.
00:46:28: Wenn dir diese Folge gefallen hat, wenn sie dich motiviert hat, dann bitte
00:46:33: teil sie doch!
00:46:34: Und wenn du jemanden kennst, eine Freundin, eine Kollegin, eine Tochter, die gerade Mut gebrauchen kann, dann schicke ihr doch diese Folge weiter.
00:46:44: Und damit du die nächste Episode von Lange Rede, kurzer Sinn nicht versäumt, abbonier uns auf dem Kanal, auf dem du uns gerade hörst.
00:46:54: Danke, dass du wieder dabei warst.
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